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Interviews

Takkt forciert digitale Transformation

Online-Umsatz soll sich bis 2020 verdoppeln  Investitionen in IT und Talente

Börsen-Zeitung, 2.11.2016

igo Stuttgart Der Versandhändler und Büroausstatter Takkt hat sich eine digitale Agenda verpasst und will mit ihrer Hilfe das organische Wachstum mittelfristig erhöhen. „Im Zuge der Digitalisierung ändert sich das Kaufverhalten der Kunden. Zudem sind Veränderungen in den Unternehmen nötig, damit sie Schritt halten und zum Schrittmacher werden können“, sagte Vorstandschef Felix Zimmermann der Börsen-Zeitung. Bereits heute erlöse das Unternehmen 40% des Umsatzes über E-Commerce, daher sei die Digitalisierung kein komplett neues Thema. „Aber wir wollen die Umsetzung beschleunigen mit dem Ziel, den E-Commerce-Umsatz bis 2020 zu verdoppeln“, so Finanzvorstand Claude Tomaszewski. 50 Mill. Euro will Takkt investieren, um das Ziel zu erreichen.

Takkt vertreibt in den Sparten Takkt Europe und Takkt America über verschiedene Marken und Gesellschaften Versandhandel für Betriebs-,Büro- und Lagerausstattung. Der Mischkonzern Haniel hält als Mehrheitsaktionär 50,2% an Takkt.

Kernpunkte der digitalen Agenda sind der weltweite Aufbau digitaler Kompetenzen - etwa für Big-Data-Analysen - und ein verbessertes Nutzererlebnis für die Kunden. Um die Voraussetzung dafür zu schaffen, werden die Warenwirtschaftssysteme der Gesellschaften derzeit erneuert. Einen Fokus legt Zimmermann zudem auf die Belegschaft. Er will etwa Projekte mit der aus der IT-Welt stammenden Scrum-Methode bearbeiten lassen. „Wir wollen keine graduelle Weiterentwicklung unserer Firmenkultur, sondern den Rhythmus ändern und in die Organisation hinein Veränderungsprozesse einfordern“, so Zimmermann.

Mitarbeiter gesucht

Während etwa die Hälfte der Investitionssumme zunächst in Ausstattung und Technologie geht, soll mit dem Großteil der restlichen Summe die Belegschaft vor allem um Entwickler und Programmierer aufgestockt werden. Bei der digitalen Weiterbildung der Mitarbeiter greift Takkt auf die im April eröffnete digitale Werkbank Schacht One des Mutterkonzerns Haniel zurück, die nur interne Ideen fördert.

Wie stark sich das organische Wachstum des Konzerns durch die Digitalisierung erhöhen soll, lässt Takkt offen. Bislang wuchs der Konzern vor allem über Zukäufe. Im dritten Quartal gelang das allerdings nur in Nordamerika. Bei Takkt Europe ging der Umsatz um 2,5% auf 128 Mill. Euro zurück. Bereinigt um Währungseffekte betrug der Rückgang knapp 1 %. Takkt America erhöhte den Umsatz um 5,5% auf 159,5 Mill. Euro. Allerdings war das Wachstum schwächer als zuletzt. „Wir sind in den USA mehrere Quartale zweistellig gewachsen und haben insofern erwartet, dass die Dynamik irgendwann nachlässt. Ein Grund dafür ist sicher auch die Investitionszurückhaltung der Kunden im Vorfeld der US-Wahlen“, so Tomaszewski. In Europa sei nach dem Brexit-Entscheid Ende Juni eine Kaufzurückhaltung spürbar gewesen. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg im dritten Quartal um 6,6% auf 22,6 Mill. Euro. Der Gewinn kletterte um 13,6% auf 22,6 Mill. Euro. Dabei profitierte Takkt von Sondereffekten wie einer geringeren variablen Kaufpreiskomponente für den 2015 übernommenen US-Display-Versandhändler Post-up Stand. Für das Gesamtjahr rechnet Takkt mit einem organischen Erlösplus von 3 bis 5% und einer operativen Marge von bis zu 15 %.

TAKKT Die erfolgreiche B2B-Spezialversandhandelsgruppe für Geschäftsausstattung TAKKT hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Über die künftigen Ziele haben wir uns mit dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Felix Zimmermann sowie dem Finanzvorstand Dr. Claude Tomaszewski unterhalten.

In den letzten fünf Jahren konnte der Takkt-Konzern die Umsätze im Schnitt um 5,5 % pro Jahr steigern und wird im laufenden Jahr voraussichtlich die Schwelle von einer Milliarde Euro überschreiten. Unabhängig von wirtschaftlichen Turbulenzen, Währungsschwankungen und globalen Krisen erzielte der Konzern seit 2010 eine für den Handel ungewöhnlich hohe EBITDA-Marge zwischen 12 und 15 %.

Hinter der Erfolgsgeschichte verbirgt sich ein stetiger Wandel hin zum integrierten Multi-Channel-Unternehmen in dessen Zuge Unternehmensteile abgestoßen und neue hinzuerworben wurden. TAKKT ist heute weit mehr als ein reiner Versandhändler für Geschäftsausstattung und bedient mit den Tochtergesellschaften verschiedene attraktive Nischen im Bereich des Spezialversandhandels für Geschäftskunden. Trotz der Zukäufe und Investitionen ist TAKKT mit einer Eigenkapitalquote von deutlich über 40 % und einem Verschuldungsgrad von unter 1,0 sehr solide finanziert.

AnlegerPlus: Herr Dr. Zimmermann, Sie haben den Konzern in den letzten Jahren massiv und erfolgreich umgebaut. Haben wir jetzt die Zielstruktur erreicht?

Dr. Zimmermann: TAKKT versteht sich als ein Portfolio von B2B-Spezialversandhändlern. Zu einem aktiven Portfoliomanagement gehört dabei nicht nur der Erwerb neuer Gesellschaften, sondern auch das regelmäßige Überprüfen der bestehenden Aktivitäten.  Mit der Abschmelzung von Topdeq und dem Verkauf der Plant Equipment Group sehen wir uns nun gut aufgestellt, um uns verstärkt auf das zukünftigen Wachstum zu fokussieren. TAKKT will weiterhin profitabel wachsen und den Umsatz in Zukunft um durchschnittlich 10 % pro Jahr steigern. Das Wachstum soll über einen langen Zeitraum betrachtet rund zur einen Hälfte durch Akquisitionen und zur anderen Hälfte durch organisches Wachstum erreicht werden. In diesem Jahr konnten wir bereits zwei Akquisitionen tätigen und schauen uns weiterhin aktiv nach interessanten Unternehmen um, die unser Portfolio ergänzen könnten.

Um das solide organische Wachstum auch in Zukunft beizubehalten, entwickeln wir uns aktuell im Rahmen unserer Wachstums- und Modernisierungsinitiative DYNAMIC Schritt für Schritt vom klassischen Versandhändler zum Multi-Channel-PLUS-Unternehmen weiter – das ist der logische nächste Schritt in der Evolution unserer Geschäftsmodelle. Wir setzen dabei auf den integrierten Einsatz unserer vier Vertriebsmedien Print, Online, Tele und Field. Ziel ist es, die Beziehung zu den Kunden aktiv weiterzuentwickeln und die Kundenbindung zu stärken.

Und woher kommt trotz des stetigen Wandels das hohe Maß an Planungssicherheit? Sie schaffen  es Jahr für Jahr ihre Ziele mindestens zu erreichen.

Dr. Zimmermann: Wir sind eigentlich ein zyklisches Unternehmen, da wir Equipment, also Gebrauchsgüter, verkaufen. Daher schwankt der Umsatz im Konjunkturverlauf relativ stark. Durch die in den vergangenen Jahren erfolgte stärkere Diversifikation unseres Portfolios, ist es uns meist gelungen, die Auswirkung konjunktureller Schwächen in einzelnen Ländern, Branchen und Produktgruppen durch  eine bessere Entwicklung in anderen Bereichen abzufedern. Unser Portfoliogedanke hat sich in den vergangenen Jahren also wiederholt bewährt.

Daneben ist unsere Kostenstruktur im Falle eines konjunkturellen Abschwungs relativ flexibel anpassbar, so dass wir bei einem Umsatzrückgang dennoch eine solide EBITDA-Marge erwirtschaften können. Beispielsweise ging im Jahr 2009 unser Umsatz um ca. 25 % zurück, während eine EBITDA-Marge von knapp 10 % erzielt werden konnte. Ähnlich verhält es sich beim Cashflow, der ebenfalls über den Konjunkturzyklus relativ stabil bleibt, da bei einem Abschwung Lagerbestände reduziert werden und somit Cash freigesetzt wird. In einem Aufschwung werden dagegen Bestände aufgebaut und Cash gebunden.

Herr Tomaszewski, müssen die Aktionäre kurzfristig mit einer Ergebnisbelastung aufgrund der Investitionen zur Umsetzung der Wachstumsstrategie rechnen?

Dr. Tomaszewski: Grundsätzlich strebt TAKKT eine Investitionsquote von 1 bis 2 % vom Umsatz an. Investitionen fallen im Rahmen der DYNAMIC-Initiative vor allem beim Aus- und Umbau der europäischen IT-Infrastruktur in den nächsten Jahren an. Im Geschäftsjahr 2015 und dem darauffolgenden Jahr könnte die Investitionsquote daher eher am oberen Ende der genannten Spanne liegen.

Die Investitionen sind somit überschaubar und werden uns dabei helfen, auch in Zukunft unsere angestrebte organische Wachstumsrate von durchschnittlich rund 5 % pro Jahr zu erreichen. Gleichzeitig liegt ein Hauptaugenmerk auf der Profitabilität. Wir rechnen für 2015 mit einer EBITDA-Marge am oberen Rand unseres Zielkorridors von 12 bis 15 %.

In den letzten Jahren schütteten Sie konstant 0,32 Euro Dividende an Ihre Aktionäre aus. Für 2011 gab es sogar eine Sonderdividende. Können die Anleger bei weiter steigenden Ergebnissen künftig mit höheren Dividenden rechnen?

Dr. Tomaszewski: Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass die beste Investitionsmöglichkeit der erwirtschafteten Überschüsse darin besteht, attraktive neue Unternehmen für das TAKKT-Portfolio zu akquirieren. Gleichzeitig wollen wir unsere Aktionäre über eine stabile Ausschüttung auch direkt am Unternehmenserfolg partizipieren lassen. Sobald das Geschäftsjahr abgeschlossen ist, werden wir mit dem Aufsichtsrat einen Dividendenvorschlag abstimmen und der Hauptversammlung zur Genehmigung vorlegen.

Die erste Jahreshälfte verlief gut. Was sind ihre Erwartungen für den Rest des Jahres?

Dr. Zimmermann: Der Jahresauftakt in Europa verlief eher verhalten, im zweiten Quartal entwickelte sich das Geschäft jedoch positiver. In Nordamerika erwirtschaftete der Konzern ein besonders starkes Umsatzwachstum. Insgesamt konnten wir im ersten Halbjahr 2015 organisch, also bereinigt um Währungseffekte und Akquisitionen und Desinvestitionen, mit 4,5 % wachsen. Wir liegen damit im Rahmen unserer Erwartungen und sehen uns auf einem guten Kurs, unsere Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen.

Das Interview führte Andreas Schmidt.
AnlegerPlus 09/2015

Börsenzeitung: Nach starken Zuwächsen im ersten Quartal hat Ihr Geschäft in Europa im zweiten Quartal stagniert. In Amerika, wo Sie fast genauso viel umsetzen, war die Entwicklung umgekehrt. Welche Erklärung gibt es dafür?

Dr. Tomaszewski: Die Entwicklung in Europa ist auf drei Gründe zurückzuführen. Erstens sind die Wachstumsraten im ersten Quartal in Europa numerisch recht hoch ausgefallen, weil wir 2013 sehr schwache Vergleichszahlen hatten. Zweitens hat die Konjunktur in Europa an Fahrt verloren. Das liegt unter anderem auch an den bekannten geopolitischen Auseinandersetzungen. Drittens lag Ostern 2013 am Ende des ersten Quartals, dieses Jahr hingegen vollständig im zweiten Quartal, was einen nennenswerten Effekt auf die veröffentlichten Zahlen in Europa gehabt hat.

Geht die negative Entwicklung in Europa so weiter?

Wir sind gut in das dritte Quartal gestartet und mit dem Juli sehr zufrieden. Ich kann aber noch keine abschließenden Aussagen für das gesamte dritte Quartal oder gar für den Rest des Jahres machen.


Wie stark sind Sie in Russland engagiert?

Wir sind dort vertreten, erzielen aber noch keine für die Konzerngruppe relevanten Umsätze. Eine weitere Eskalation des politischen Russland-Konflikts könnte allerdings auch negative Auswirkungen auf unser Europageschäft haben.


Warum wächst dann das Nordamerikageschäft so stark?

Da hatte der strenge Winter das Geschäft im ersten Quartal gedämpft. Außerdem ist das Geschäft mit den bundesstaatlichen Einrichtungen zurückgekommen, welches im Vorjahr im Zuge der US-Haushaltskrise eingebrochen war. Dieser Bereich macht immerhin fast 10 % unseres Amerika-Umsatzes aus. Und unsere in 2012 erworbene Gesellschaft GPA wächst nun zum dritten Mal in Folge um 20 Prozent.

In Europa erzielen Sie den größten Umsatzanteil im B2B-Geschäft mit Kunden, die Lager-, Betriebs- und Büroausstattungsgegenstände über Sie beziehen. In Nordamerika ist Ihre erfolgreichste Geschäftseinheit der Bereich Food Service Equipment. Sie beliefern dort zum Beispiel Caterer, Hotelketten und Fast-Food-Ketten. Wie kommt das?

In der Tat beliefern wir in den USA und Kanada unsere Kunden auch mit Küchenöfen, Kühlschränken, kompletten Buffetaufbausets und so weiter. Das läuft sehr gut. Mit GPA verkaufen wir unter der Marke Displays2Go zudem auch Verkaufsförderprodukte aller Art, vorzugsweise über das Internet. Wir investieren gerne in Geschäfte, die eine fragmentierte Kunden- wie Lieferantenstruktur sowie eine sehr auskömmliche Marge aufweisen und im Distanzhandel von Gebrauchsgütern oder Spezialartikeln tätig sind. Wir sehen Takkt hier als ein Portfolio von Direct-Marketing-Spezialisten mit Fokus auf Geschäftskunden.

 
Da gibt es doch kaum Synergien mit Europa! Sie könnten doch Ihr europäisches Geschäft auch in den USA aufziehen und umgekehrt Ihr Food Service Equipment in Europa anbieten.

Das tun wir zum Teil. In Europa bieten wir zum Beispiel unter der US-amerikanischen Marke Hubert auch unsere Dienstleistungen im Food-Service-Equipment-Bereich an. Andererseits ist unser Büromöbelgeschäft aus Europa nicht einfach so eins zu eins in die USA übertragbar. Unsere angebotene Produktpalette für Büromöbel in Amerika unter der Marke National Business Furniture ist aufgrund der unterschiedlichen Gewohnheiten und Trends deutlich anders.


Die Gewinnmargen in Europa sind höher als in Nordamerika. Hat das regionale Gründe, oder liegt es daran, dass die Geschäfte völlig unterschiedlich sind?

Dies liegt in erster Linie daran, dass die Ertragskraft der sehr unterschiedlichen Geschäftsbereiche nicht direkt miteinander vergleichbar ist. Es hat aber auch mit Größenvorteilen zu tun. Desto mehr Umsatz über die gleiche Geschäftsinfrastruktur gemacht werden kann, umso höher fällt tendenziell die Profitabilität des entsprechenden Geschäfts aus.


Sie haben ja vor einiger Zeit mit Ratioform einen großen Versandhändler für Verpackungslösungen erworben. Auch damit planen Sie keine Expansion nach Nordamerika und bleiben in Europa?

Ratioform ist derzeit in Deutschland und fünf weiteren europäischen Ländern vertreten. Wir haben in Europa noch viel Platz zu wachsen. Das ist in Nachbarländern leichter als bei einem Sprung über den großen Teich.


Sind für Sie Wachstumsmärkte wie China nicht interessant?

Doch, mit unserer Marke Kaiser + Kraft sind wir zum Beispiel in China tätig. Die Umsätze sind aber noch aus Gruppensicht niedrig, die Infrastruktur etwa für den Erwerb oder die Miete von Firmenadressen noch nicht so ausgeprägt. Das ist ein langer Weg. Der Schwerpunkt unserer Entwicklung liegt woanders!


Wo denn?

Unsere größte Herausforderung ist die Digitalisierung und das damit einhergehende Kundenverhalten. Der Anteil der E-Commerce-Aufträge am Gesamtvolumen liegt aktuell knapp unter 30 %. Hier können wir noch deutlich zulegen.


Welche Pläne haben Sie da? 

Vor dem Hintergrund der neuen Marktherausforderungen haben wir vor einem Jahr das "Dynamic"-Programm konzernweit ins Leben gerufen, das alle Sparten zu einem Multi-Channel-Plus-Unternehmen entwickeln soll. Multi Channel Plus bedeutet dabei für uns vor allem die Integration von vier verschiedenen Marketing- und Vertriebskanälen. Unser wichtigstes Instrument ist noch immer der gedruckte Katalog. Dessen Rolle wird sich im Zeitablauf jedoch ändern. Dazu kommen der Web-Shop, der Verkauf über Telefon und ein klassischer Außendienst, der sich vor allem um die Betreuung von Projekten oder Großkunden kümmert.


Das sind dann große Aufträge? 

In unserem Geschäft beginnt ein sogenannter Großauftrag bereits ab 50 000 Euro. Die Erstausstattung macht aber nur 10 % unseres Volumens aus. Der größte Teil unseres Geschäfts bleibt das Ersatzgeschäft. Das sind zum Beispiel ein Palettenhubwagen, ein Stahlschrank oder ein einzelner Bürostuhl. Der durchschnittliche Auftragswert liegt in unserem Geschäft knapp unter 500 Euro.


Und diese Waren werden heute im Vergleich zum Internet noch überwiegend aus dem Katalog bestellt?

Ja, im B2B-Geschäft schon. Künftig wollen wir diese Nachfrage aber stärker integrativ bedienen und die für die Kunden bestmögliche Lösung anbieten. Bis 2016 soll "Dynamic" in allen Sparten umgesetzt sein. Das ist unsere Antwort auf die zunehmende Digitalisierung, die dazu führt, dass unsere Kunden über das Internet schon sehr gut informiert sind, bevor sie zum Beispiel die Bestellung nach kurzer Beratung über das Telefon aufgeben.


Welche Vorteile hat das für Sie? Ist hier die Kostenersparnis Ihr Hauptantrieb?

Nein, ganz klar nicht. Multi Channel Plus bedeutet für uns auch, unser Sortiment auszubauen. Die Aufnahme weiterer Produkte ist im Web einfacher als im Katalog. Insgesamt ist die Multi-Channel-Plus-Initiative in erster Linie nicht ein Effizienz-, sondern ein Wachstums- und Modernisierungsprogramm.


Bei Ihrer Tochter Topdeq, die Designmöbel anbietet, gehen aber die Lichter aus. Sie schließen sie. Kommen da noch hohe Belastungen auf Sie zu?

Ursprünglich hatten wir bis zur endgültigen Aufgabe des Geschäfts noch einmal mit Kosten von 2 Mill. bis 4 Mill. Euro im Gesamtjahr 2014 gerechnet. Nun werden es vermutlich weniger als 2 Mill. Euro sein, weil wir die noch vorhandenen Vorräte zu besseren Preisen verkauft haben als erwartet. Am 1. September ist Schluss. Der Großteil der Belastungen ist verdaut. Im dritten Quartal kommen allenfalls noch sehr geringe Kostenbelastungen dazu.


Haniel ist mit mehr als 50 % an Takkt beteiligt, hat den Anteil 2013 aber reduziert. Bei Celesio ist Haniel ganz ausgestiegen. Haben Sie Kenntnis von weiteren Ausstiegsplänen Haniels bei Takkt? Wie wichtig ist ein Ankeraktionär für Sie?

Ich habe keine Kenntnis, dass sich hier etwas ändern soll. Für uns ist ein Ankeraktionär ein optimales Set-up, denn er unterstützt uns bei der Umsetzung unserer langfristigen Strategie. Gleichzeitig könnten wir, wenn nötig, über die Börsennotierung auch den Kapitalmarkt anzapfen. Wir haben das Beste von beiden Welten.


Gibt es Pläne für eine Kapitalerhöhung? Planen Sie einen größeren Kauf?

Nein, ein größerer Kauf ist nicht in Sicht. Generell sind wir an Unternehmen interessiert, die zu uns passen und eine gewisse Erfolgsgeschichte aufweisen. Sie sind häufig familiengeführt. In der Regel haben Sie, so wie GPA in Amerika oder Ratioform in Deutschland, ein Umsatzvolumen von 50 Mill. bis 100 Mill. Euro. Für eine solche Größenordnung halten wir 100 Mill. bis 150 Mill. Euro an nicht genutzten Kreditlinien bereit und sind somit jederzeit handlungsfähig, wenn sich etwas ergeben sollte.


Bei Akquisitionen schließen Sie aber Größenordnungen, die darüber hinausgehen, nicht vollständig aus?

Nicht grundsätzlich. In einem solchen Fall müssten wir wahrscheinlich parallel eine Kapitalerhöhung vornehmen. Das ist eine Möglichkeit, die wir bisher noch nie nutzen mussten, die wir aber aufgrund der Börsennotierung theoretisch haben.


Wozu dient der ausgegebene Schuldschein?

Das ist ein Schuldschein über 140 Mill. Euro, den wir nach der Ratioform-Akquisition aufgenommen haben. Den Kauf haben wir zunächst über Kreditlinien finanziert. Wir wollten anschließend unser Finanzierungsportfolio über die Platzierung des Schuldscheines bewusst diversifizieren und neue Investoren für die Takkt gewinnen. Generell haben wir guten Zugang zu Fremdkapital, da unser Geschäftsmodell sehr cash-flow-stark ist. Wir können deshalb schnell tilgen.


Wozu nutzen Sie Ihren Cash-flow?

Wir investieren generell 1 bis 2 % vom Umsatz in die Erhaltung, Erweiterung und Modernisierung des bestehenden Geschäftsbetriebs. Da unsere Cash-flow-Marge rund 10 % beträgt, bleibt noch eine Menge freier Cash-flow übrig. Hieraus bedienen wir unsere Dividende und tilgen die Finanzschulden, die derzeit bei 250 Mill. Euro liegen und aus den beiden letzten Akquisitionen stammen. Unsere Finanzschuld können wir innerhalb von drei bis fünf Jahren tilgen. Unsere Verschuldung atmet stark mit den getätigten Unternehmensübernahmen.


Für 2013 hatten Sie eine Ausschüttungsquote von 40 %. Ist das Ihr Zielwert?

Unser Zielwert für die Dividende liegt bei rund 30 % des Periodenergebnisses. Wir wollen aber nie weniger Dividende zahlen als im Vorjahr. Vor der Finanzkrise hatten wir beim Ergebnis nach Steuern unseren Höchstwert. Die Dividende haben wir aber auch in den folgenden Jahren, als das Ergebnis aufgrund der Finanzkrise zurückging, nicht gesenkt.


Wollen Sie beim Ergebnis wieder das Vorkrisenniveau erreichen?

Das muss mittel- und langfristig unser Ziel sein. Aber da gibt es viele Unbekannte. Wie stark kann die Dynamik in Nordamerika das weniger stark wachsende Europageschäft kompensieren? Wann ist Europa wieder nachhaltig stabil, wann haben wir die Auswirkungen der Schuldenkrise wirklich überstanden?


Haben Sie eigentlich, so wie andere Unternehmen, einen strategischen Plan, in dessen Rahmen Sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Zielumsatz beziehungsweise eine Zielrendite erreichen wollen?

Unser Ziel ist es, bis 2016 Multi-Channel-Plus-fähig zu sein und wie auch bisher auf Basis eines organischen Wachstums von 4 bis5 % pro Jahr eine Rendite über den Kapitalkosten und damit signifikante Wertbeiträge zu erwirtschaften. Darüber hinaus wollen wir im langfristigen Durchschnitt auch circa 5 % pro Jahr durch Akquisitionen wachsen. Außerdem wollen wir bis 2016 Vorreiter in unserer Branche in puncto Nachhaltigkeit sein. So versenden wir heute schon Pakete in vielen europäischen Ländern CO2-neutral und bieten CO2-neutrale Produkte zum gleichen Preis wie vergleichbare Waren an.

Das Interview führte Gerhard Bläske.
Börsen-Zeitung Nr. 151, 08/2014

 

 

Smart Investor sprach mit Dr. Claude Tomaszewski, Finanzvorstand der TAKKT AG, über die Besonderheiten des B2B-Versandhandels, die weitere M&A-Strategie und den Ausblick auf 2013.

Smart Investor: Herr Dr. Tomaszewski, können Sie uns zunächst Ihre Position im B2B-Versandhandel etwas näher erläutern?

Dr. Tomaszewski: In dem für uns relevanten Markt für Geschäftsausstattungen sind wir als integrierter Multi-Channel-Anbieter tätig. Hinter dieser Einordnung steckt der Ansatz, mehrere Vertriebswege und Marketingkanäle zu nutzen. Bei uns sind dies neben dem klassischen Katalog insbesondere das Tele- und Online-Marketing sowie bei Großkunden oder Großprojekten der Vertrieb über Key-Account-Manager. Anders als reine Distributoren bieten wir unseren Kunden zudem einen Zusatznutzen, beispielsweise indem wir bei der Produktauswahl gewisse Qualitätsstandards garantieren oder eine umfassende Beratung anbieten.


Wie konjunktursensitiv ist Ihr Geschäft?

Auch wenn wir mit unseren Produkten in sechs unterschiedlichen Sparten unterwegs sind, betrachten wir uns selbst als zyklisches Unternehmen, das sich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht vollständig abkoppeln kann. Gleichwohl streben wir eine Diversifikation über verschiedene Kundengruppen, Sortimente und Regionen an. So reagiert unsere Sparte für Lager-, Betriebs- und Büroausstattung sicherlich sensibler auf konjunkturelle Schwankungen als unser Büromöbelgeschäft in den USA, wo wir auch mit vielen staatlichen Kunden zusammenarbeiten.

Setzen sich die unterschiedlichen Dynamiken im Europa- und Nordamerika-Geschäft bislang auch im neuen Jahr fort?

Der US-Markt zeigt sich weiterhin robuster als unser Europa-Geschäft, wobei sich auch hier die Dynamik zuletzt etwas abschwächte. Das ist angesichts der fortlaufenden Diskussionen um die Konsolidierung des US-Haushalts jedoch nicht weiter verwunderlich. Solche Debatten hinterlassen schließlich immer gewisse Spuren bei den Wirtschaftsakteuren.


Welche Bedeutung hat das Online-Geschäft?

Der Online-Bereich ist sicherlich einer der Eckpfeiler unserer Wachstumsstrategie, den wir als integrierter Multi-Channel-Anbieter umzusetzen versuchen. Allerdings ist er auch nur eine von mehreren Säulen. Ohnehin unterscheidet sich das B2B-Einkaufsverhalten deutlich von dem des B2C-Geschäfts. So zeigen Studien, dass sich die Geschäftskunden bei rund einem Drittel der Online-Auftragseingänge zuvor über andere Medien informiert haben. Ein eCommerce-Auftrag kann folglich durch einen klassischen Katalog beeinflusst worden sein. Gleichwohl weist auch bei uns das eCommerce-Geschäft aktuell die höchsten Zuwächse auf. Neben unseren Multi-Channel-Brands, die sich vorwiegend an große und mittelgroße Kunden wenden, sprechen wir deswegen mit unseren Web-Focused-Brands, also Marken, die vorrangig im Internet unterwegs sind, insbesondere kleinere Kunden an, die preissensitiver sind und bei denen andere Vertriebswege wie zum Beispiel das Versenden eines dicken Katalogs angesichts eines nicht so stark wiederkehrenden Bedarfs kaum effizient wären.


2012 profitierten Sie nicht zuletzt von den beiden Akquisitionen Ratioform und GPA. Planen Sie angesichts dieses Erfolgs schon die nächsten Übernahmen?

Eigentlich sind alle unserer Zukäufe opportunistisch, weshalb sich der genaue Zeitpunkt nur bedingt im Voraus planen lässt. Wir erwerben meist Familienunternehmen, die von ihren Eigentümern und Gründern selbst geführt werden. Der Anlass zu einem Verkauf ist daher oft ein privater, beispielsweise wenn die Nachfolgeregelung nicht geklärt ist. Akut ist derzeit nichts, doch das kann sich schnell ändern. Wir befinden uns immer mit unseren Geschäftspartnern in einem regelmäßigen Kontakt, und das mitunter seit sehr vielen Jahren. Mit den Erwerben des letzten Jahrzehnts haben wir uns einen respektablen Track Record erworben. Die Unternehmer wissen, dass ihr Lebenswerk bei uns in guten Händen ist.


Sie haben für 2013 drei Szenarien in Abhängigkeit des BIP-Wachstums formuliert. Welches ist derzeit das wahrscheinlichste und was würde dieses für Ihre Ergebnisentwicklung bedeuten?

Derzeit billigen wir unserem sogenannten mittleren Szenario, das bestenfalls von einem moderaten Anstieg des BIP ausgeht, die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit zu. Diese Einschätzung gründet sich vor allem auf jüngste Veröffentlichungen unserer Frühwarnindikatoren, die für Europa und hier insbesondere für Deutschland eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte erwarten lassen. Unter Einbeziehung unserer 2012 vollzogenen Übernahmen erwarten wir demnach ein währungsbereinigtes Wachstum zwischen 7 und 9%. Die EBITDA-Marge sollte hierbei in einem Korridor zwischen 14 und 15% liegen. Damit würden wir unser gutes Profitabilitätsniveau aus dem vergangenen Jahr in etwa halten. Das erste Quartal war dabei jedoch erwartungsgemäß ein sehr schwieriger Start, da die europäische Konjunktur sich noch nicht verbessert hat, wir in Nordamerika gegen ein außerordentlich starkes Vorjahresquartal gemessen werden und die ersten drei Monate weniger Arbeitstage bereithielten.


Mit welcher Marge kalkulieren Sie mittel- bis langfristig?

Da liegt das Ziel bezogen auf das EBITDA in einem Bereich zwischen 12 und 15%. Diese Spanne ist zum einen den konjunkturellen Zyklen geschuldet, zum anderen hängt sie vom Tempo unserer Wachstumsstrategie ab. Geplant ist, durchschnittlich um 10% pro Jahr zu wachsen, jeweils zur Hälfte organisch und über Akquisitionen. Wir könnten die Marge kurzfristig zwar erhöhen, wenn wir das Expansionstempo drosseln würden, doch das entspräche nicht unserer Philosophie.


Dürfen Aktionäre in absehbarer Zeit wieder mit einer Sonderdividende rechnen?

Wir möchten unsere Aktionäre angemessen am Unternehmenserfolg beteiligen. Für die reguläre Dividende liegt die Messlatte bei 30% vom Jahresüberschuss. Immer dann, wenn sich unsere Eigenkapitalquote der Marke von 60% nähert – wie zuletzt im Frühjahr 2012 geschehen –, wird darüber hinaus aus Kapitalkostenüberlegungen eine Sonderausschüttung interessant. Eine Alternative hierzu sind gezielte, den Unternehmenswert steigernde Zukäufe, die wir als sehr Cashflow-starkes Unternehmen stets in Betracht ziehen.

Das Interview führte Marcus Wessel.    
Smart Investor 05/2013, S. 82-83.