Interview mit Georg Gayer

über Corporate Governance als gesamtgesellschaftliches Thema
(März 2006)

Transparente und verantwortungsvolle Unternehmensführung ist bei TAKKT seit je oberstes Gebot. Wie Management und Aufsichtsrat eine gute Corporate Governance gewährleisten, erklärt Vorstandsvorsitzender Georg Gayer.

Frage: Herr Gayer, woran lässt sich transparente Unternehmensführung erkennen?

Bei börsennotierten Unternehmen wie der TAKKT AG gibt es einen guten Indikator, die Investor-Relations-Arbeit. Dabei geht es nicht darum, besonders laut auf das eigene Geschäft aufmerksam zu machen. Vielmehr zeichnet sich verantwortliche Unternehmensführung durch kontinuierliche und verlässliche Kommunikation mit sämtlichen Teilnehmern des Kapitalmarkts aus. Bei TAKKT ist dies schon seit Jahren selbstverständlich.Dies belegt nicht zuletzt der Investor-Relations-Preis, der TAKKT im Jahr 2005 verliehen wurde.

Ein weiteres Kriterium für verantwortungsvolle Unternehmensführung ist der Dialog mit den Mitarbeitern und die Förderung eigenverantwortlichen Handelns. Uns gelingt dies durch übersichtliche Strukturen und die transparente Kommunikation unserer Strategie.

Frage: TAKKT entspricht den Vorgaben des Deutschen Corporate Governance Kodex.Dennoch machen Sie Ausnahmen …

Dies bedeutet aber nicht, dass wir Vorbehalte gegen eine transparente Unternehmensführung haben. Tatsächlich sind Offenheit, Zuverlässigkeit und Gleichbehandlung seit je Maßstäbe unseres Handelns. Es gibt jedoch gute Gründe, den Empfehlungen zur Offenlegung der Vorstandsgehälter nicht zu folgen. Wir sehen hier ein deutliches Missverhältnis zwischen Nutzen und Schaden. TAKKT veröffentlicht bereits die Summe aller Vergütungen für den Vorstand. Individuelle Angaben zu jeder Person würden nur unwesentlich mehr aussagen, jedoch einen Eingriff in die Privatsphäre der Gremiumsmitglieder bedeuten. Und Transparenz muss für mich da aufhören, wo die Privatsphäre von Personen angetastet wird. Auch Firmengeheimnisse dürfen meiner Meinung nach nicht einer transparenten Kommunikation geopfert werden. Vor allem dann, wenn andere Marktteilnehmer daraus einen Nutzen erzielen können.   Darüber hinaus folgen wir nicht der Empfehlung, einen Prüfungsausschuss einzurichten. Ich sehe darin keinen Nachteil, denn unser Aufsichtsrat ist vergleichsweise klein. Es gibt deshalb unserer Ansicht nach keinen Bedarf für einen Prüfungsausschuss.

Frage: Ab 2006 ist TAKKT grundsätzlich gesetzlich verpflichtet, die Vorstandsgehälter offen zu legen. Wie stehen Sie dazu?

Natürlich werden wir die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen. Aber wie schon gesagt, ich erkenne in einer individuellen Offenlegung der Vorstandsgehälter keinen konkreten Nutzen. Zwar gibt es Befürworter, die hoffen, dass die Bezüge sinken. Andere sind der Meinung, durch die Offenlegung könne die Managementkultur in Deutschland verbessert werden. Ich bezweifle beides sehr – zumal die Veröffentlichung ausschließlich von börsennotierten Unternehmen verlangt wird. Vorstände anderer Unternehmen oder von Körperschaften des öffentlichen Rechts legen ihre Bezüge und Nebenverdienste, wenn überhaupt, nur teilweise offen. Das Gleiche gilt für Politiker. Wenn wir Transparenz wollen, dann sollte dies alle Bereiche gleichermaßen betreffen.

Frage: Trotz Ihrer Kritik an einigen Punkten des Deutschen Corporate Governance Kodex: Wie bewerten Sie ihn insgesamt?

Es ist ein großer Erfolg, dass es nun Kriterien für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung gibt. Der Kodex hilft insbesondere, die Kontrollfunktion des Aufsichtsrats gegenüber dem Vorstand zu konkretisieren. Ich hoffe, dass dies nicht nur bei den börsennotierten Unternehmen zu höheren Standards führt. Meiner Meinung nach muss Corporate Governance zum gesamtgesellschaftlichen Thema werden.

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