Interview mit Georg Gayer

zu dem Erfolg von KAISER + KRAFT
(1999)

Frage: Was hat KAISER + KRAFT so erfolgreich gemacht?

Gayer: Eine Reihe von Faktoren: Wir sind schon seit langem ein internationales Unternehmen. Schon Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre haben wir uns im Ausland engagiert und internationales Know-how aufgebaut. Unsere Internationalität ist ein wichtiger Asset. Sie macht uns von konjunkturellen Schwankungen weitgehend unabhängig und verbreitert unsere Wissensbasis. Zweitens haben wir immer darauf geachtet, maximalen Nutzen aus der Economy of Scale zu ziehen, also zentral zu beschaffen, zentral Mittel bereitzustellen. Daher unsere hohe Effizienz und Profitabilität. Wir haben jedoch die Nutzung der Skaleneffekte nie zu Lasten der Marktnähe optimiert. So viel Zentralität wie nötig, so viel Marktnähe wie möglich, das ist unsere Devise. Dieses subsidiare Organisationsprinzip ist ein weiterer Faktor unseres Erfolges. Es ermöglicht uns, unsere Tochterunternehmen zu führen, ohne zu frustrieren und den unternehmerischen Esprit vor Ort zu sichern. Und schließlich: Wir haben den besten Service im Paket. Die Kombination unserer Produkte und Dienstleistungen ist einzigartig.

Frage: Aber ist denn nicht gerade Ihre Internationalität auch ein Hindernis bei der Economy of Scale? Sie können doch nicht alle Märkte gleichermaßen bedienen.

Gayer: Das wollen wir auch nicht. Jedes Land oder besser: jede Region hat eigene Produktanforderungen. Denken sie nur an die unterschiedlichen Normungen, aber auch an kulturell begründete Eigenheiten. Und diese Eigenheiten und spezifischen Produktanforderungen kennen wir. Durch unsere verschiedenen Marken, welche die Bedürfnisse der jeweiligen Region genau abdecken können, sind wir überall in der Welt zuhause. Wir kennen aber nicht nur die Unterschiede, wir kennen auch die Gemeinsamkeiten, den gemeinsamen Nenner. Das erlaubt es uns, ein Kernsortiment zentral zu organisieren und durch regionenspezifische Sortimente zu ergänzen. So ist unser Gesamtangebot überall maßgeschneidert. Wir erreichen auf diesem Weg aber auch eine optimale Marktnähe, ohne auf die Vorteile der Zentralität zu verzichten. Natürlich erfordert dies eine ganz erhebliche Produkt- und Logistikkompetenz. Um diese Kompetenzen optimal zu bündeln und zu implementieren, führen wir unsere Unternehmen in drei Geschäftsbereichen: KAISER + KRAFT Europa, Topdeq und K + K America. Dies ermöglicht uns größte Nähe zu den Regionen und spezifischen Märkten bei hoher Effizienz der Leistungserstellung.

Frage: Welche Vorteile bieten Sie als Versandhändler Ihren Kunden?

Gayer: Die einzelnen Marken bieten in ihren Katalogen zum Teil über 20.000 Artikel für den Betrieb, Lager, Transport und Büroausstattung an. Hinter diesen Angeboten stehen Hunderte von Lieferanten.

Wir verkürzen und vereinfachen den Bestellvorgang bei unseren Kunden. Er muß weder Prospekte, Fachgeschäfte besuchen noch Vertreter empfangen. In unseren Katalogen findet er sehr schnell sein gewünschtes Produkt. Neben der effizienten Produktauswahl verringern wir dem Kunden zusätzlich seine Risiken beim Kauf. Wir bieten ein uneingeschränktes Rückgaberecht. Garantien und die übrigen Konditionen sind standardisiert und kundenfreundlich. Nicht zuletzt verringern wir die Lieferzeiten durch die Vorratshaltung in unseren Lagern.

Frage: Wie sehen Sie, im Verhältnis zu Ihren Mitbewerbern, die Stärken der TAKKT AG?

Gayer: Unsere Stärke ist der Bekanntheitsgrad und die Reputation unserer Marken. Unsere Kunden kennen uns als kompetenten und vertrauenswürdigen Partner. Das kommt nicht von ungefähr: Wir sind Serviceführer und das schätzen unsere Kunden. Die 1,4 Millionen Kundenbeziehungen, die wir managen, belegen diese Aussage. Und mit jeder Bestellung beweisen wir unsere Leistungsfähigkeit aufs neue. Daher liegt unser Bekanntheitsgrad unter Produktions- und Werkstattleitern, den Einkäufern, bei über 70 Prozent. Sie wissen, daß wir Business Equipment Solutions liefern, daß mit unseren Produkten und Dienstleistungen die spezifischen Probleme in ihren Unternehmen gelöst werden können. Unser guter Ruf und unsere Bekanntheit bei diesen Experten ist ein nicht zu unterschätzender Asset unseres Unternehmens.

Frage: Welches Image, glauben Sie, hat Ihr Unternehmen bei den Kunden?

Gayer: KAISER + KRAFT steht für ein kompetentes und qualitativ hochwertiges Produktangebot. Wir haben den Ruf im Markt, vertrauenswürdig und kundenfreundlich zu sein. Alle diese Faktoren sind wichtig, um die Schwellenangst beim Kauf über den Katalog abzubauen. Topdeq operiert mit Alleinstellungsmerkmalen, z.B. heute bestellt, morgen geliefert. Das kann sonst keiner. Topdeq ist aber auch der up-to-date, der designorientierte Katalog. Diese Einzelimages unserer Marken, um nur zwei zu nennen, sollen natürlich bestehen bleiben. Aber wir wollen mit dem neuen Konzern unsere gemeinsamen Stärken demonstrieren. Das heißt für mich, wir müssen in der Zukunft verstärkt als Gruppe Präsenz zeigen: Wir sind international. Und wir haben das beste Produktsortiment auf der Welt. Wir sind in der Lage, Logistik-Einrichtungen vorzuhalten, wie es sonst keinem Unternehmen der Branche möglich ist. So kann der Kunde die weltweit besten Produkte sofort bei uns bekommen und muß nicht sechs Wochen warten, bis das Gewünschte aus Japan oder den USA per Schiff herbeigeschafft wird. TAKKT wird daher für Geschwindigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit stehen, aber auch für ein internationales, in seiner Breite und Tiefe einzigartiges Sortiment.

Frage: Zum Punkt Geschwindigkeit: Wann, glauben Sie, wird E-commerce eine wirkliche Rolle spielen?

Gayer: E-commerce spielt bereits eine wirkliche Rolle. Natürlich kennen auch wir den oft verbreiteten Spott, am Internet-Boom hätte außer den Unternehmen, die die Infrastruktur, also Hard- und Software, herstellen, noch niemand eine Mark verdient. Doch aus unserer Perspektive relativieren sich solche Einwände sehr schnell. Wir sind nämlich schon lange am Markt und haben Innovationen immer als erste genutzt. Nehmen sie den gedruckten Katalog für Investitionsgüter. Auch das war, als wir ihn 1945 einführten, ein neues Medium. Für dessen Einsatz wir von vielen belächelt wurden. Aus unserer Erfahrung und weil wir gute Kaufleute sind wissen wir: Abgerechnet wird immer am Schluß. Das Internet und E-commerce werden uns völlig neue Wege eröffnen und den Markt fundamental verändern. Wir werden über das Internet an die Warenwirtschaftssysteme unserer Kunden Anschluß finden. Da wir unseren Katalog bereits im Internet haben, sind wir dafür gerüstet, auch wenn es noch ein Weilchen dauern wird, bis der nächste Schritt, die virtuelle Verschmelzung von Unternehmen durch die Vernetzung der Warenwirtschaftssysteme, folgt. Aber es wird kommen. Dann hat der Kunde immer die zeitnahen Daten zur Verfügung, er ruft bei sich am Rechner das Produkt auf, bestellt papierlos und kann z. B. die Lieferzeit überwachen. Besser als im Printkatalog kann er sich Alternativen, Zusatzausstattungen, aber auch völlig neue Produkte zeigen lassen. All dies senkt die internen Prozeßkosten des Kunden. Das ist ein echter Mehrwert. Wenn wir die interne Anbindung an die Kundenunternehmen implementieren, haben wir einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung des Versandhandels erreicht. Und dieser Entwicklung bahnen wir schon heute den Weg, weil bei uns E-commerce bereits eine Rolle spielt.


Ansprechpartner:

Georg Gayer
Tel. 07 11 50 01-239

 

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