Interview mit Dr. Felix A. Zimmermann

über die Krise und die sich daraus ergebenden Chancen für TAKKT
(März 2010)

Frage: Herr Dr. Zimmermann, wie lange wird es dauern, bis sich TAKKT von der globalen Wirtschaftskrise vollständig erholt hat?

Eine zeitlich präzise Antwort ist sehr schwer, da dies auch von der Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit der Erholung der Weltwirtschaft abhängt. Eins ist klar: Wir haben bereits im Jahr 2009 unsere Hausaufgaben gemacht und gezeigt, wie flexibel wir unsere Kostenstrukturen anpassen können. Das gibt uns Zuversicht, dass wir für die Herausforderungen und Chancen des Jahres 2010 gut positioniert sind. Es wird seine Zeit dauern, bis wir das Vor-Krisen-Niveau von 2008 wieder erreichen. Wir haben uns jedoch auf die Fahne geschrieben, schneller aus der Krise herauszukommen als unsere Wettbewerber.

Frage: Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der aktuellen Krise für TAKKT beziehungsweise für die TAKKT-Strategie?

Das TAKKT-Geschäftsmodell ist grundsätzlich intakt: Die Rohertragsmarge konnten wir stabil halten und wir sehen keine nennenswerten Konsolidierungstendenzen – weder auf der Lieferanten- noch auf der Kundenseite. Dass TAKKT die Krise bislang  so gut gemeistert hat, liegt zum einen an der hohen Flexibilität des Geschäftsmodells und der Kostenstrukturen. Zum anderen ist die  unbedingte Kundenorientierung ein wichtiger Baustein in der TAKKT-Strategie. Diesen darf man gerade in Zeiten der Krise, in denen der Blick häufig nur auf die internen Kostenstrukturen gelenkt wird, nicht aus den Augen verlieren. Die Krise hat zu einem deutlichen Rückgang der Auftragszahlen geführt. Wir haben unsere Kapazitäten entsprechend angepasst und unsere Prozesse optimiert –damit sind wir nunmehr bereit für die wirtschaftliche Erholung.

Frage: Die Versandhandelsbranche musste spätestens mit dem Aus eines namhaften B2C-Versenders eine Lektion lernen: Wer zu spät kommt, den bestraft das Internet. Wie stellen Sie sicher, dass TAKKT immer auf der Höhe der Zeit und der sich wandelnden Konsumgewohnheiten bleibt?

Das Aus von Quelle nur mit dem Internet zu begründen, ist zu einfach. Wir sehen das Internet für TAKKT eher als Chance, da es zusätzliche Vertriebsmöglichkeiten unter Nutzung der ohnehin vorhandenen Infrastruktur eröffnet. Dennoch ist es immer wichtig, sich laufend über wandelnde Marktgewohnheiten zu informieren. Wir tun dies mittels regelmäßiger Kundenumfragen und detaillierter Marktanalysen und passen die Unternehmensstrategie bei Bedarf an die Erkenntnisse an.

Frage: Was werden in den nächsten Jahren die entscheidenden Kriterien sein, die den Erfolg oder Misserfolg im B2B-Versandhandel bestimmen?

Klarer Produktfokus, unbedingte Kunden- und Serviceorientierung, leistungsfähige zentrale Infrastrukturen, weitere Internationalisierung sowie E-Commerce-Kompetenz.

Frage: TAKKT ist in den letzten 25 Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Worauf können sich die Aktionäre in den nächsten 25 Jahren einstellen?

TAKKT wird ihrem Geschäftsmodell treu bleiben: klarer Fokus auf den B2B-Spezialversandhandel für Geschäftsausstattung. Es ist allerdings mein Wunsch, dass in 25 Jahren drei Geschäftsarten einen höheren Anteil am Konzernumsatz haben: Erstens unser Geschäft mit Kunden aus dem Dienstleistungsbereich, zweitens unsere Geschäfte in Asien und drittens unsere E-Commerce-Aktivitäten.