Vorstandsvorsitzender der TAKKT AG
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren,
meine Kollegen und ich begrüßen
Sie ganz herzlich zur Bilanzpressekonferenz der TAKKT AG 2009. Es ist
das zehnte und letzte Mal, dass ich hier als Vorstandsvorsitzender
spreche. Nächstes Jahr wird dies mein Kollege Dr. Zimmermann tun, an
den ich – wie bereits angekündigt – in gut zwei Monaten, zum 1. Juni
2009 diese Aufgabe übergeben werde. Dazu will ich später gern noch
einige Sätze sagen, ebenso wie zu den Herausforderungen der aktuellen
Wirtschaftskrise und wie sich die TAKKT AG dafür gerüstet sieht. Im
Anschluss wird es wie gewohnt genügend Gelegenheit für Ihre Fragen
geben. Bevor Ihnen gleich unser Finanzvorstand Dr. Florian Funck die
Geschäftsentwicklung und Ergebnisse des Jahres 2008 vorstellt, lassen
Sie mich einige Highlights aus Sicht der TAKKT-Gruppe skizzieren:
TAKKT 2008: trotz Wirtschaftskrise profitabel und stabil
Als
wir Sie letztes Jahr um diese Zeit hierher eingeladen hatten, sah die
Welt noch anders aus. Damals hatten wir für das Jahr 2008 zwar keine
positiven Konjunkturimpulse erwartet, waren aber dennoch, Zitat:
„vorsichtig optimistisch“. Nun, zumindest mit der Vorsicht lagen wir
goldrichtig. Mit dem Optimismus leider nicht. Wie Sie wissen, hat sich
seitdem die allgemeine Wirtschaftslage dramatisch verschlechtert.
Dennoch können wir für die TAKKT-Gruppe sagen: In diesem Umfeld von
Umsatzeinbrüchen, Kurzarbeit, Kreditklemme und Verlustmeldungen erwies
sich unser Unternehmen in 2008 als bemerkenswert stabil.
Insgesamt lag der Umsatz mit 932,1 Millionen Euro zwar 5,5 Prozent niedriger als im Vorjahr. Bereinigt um die Währungseffekte durch den schwachen US-Dollar im Jahresverlauf 2008 und Sondereffekte aus dem Verkauf unserer ehemaligen Tochter Conney Safety Products LLC im Vorjahr konnten wir beim Umsatz organisch um 0,7 Prozent zulegen. Das soll nicht heißen, dass TAKKT gegen die weltweite Rezession immun wäre. Ein Blick auf die Umsatzentwicklung im Jahresverlauf zeigt das: Rekordumsätzen in den ersten neun Monaten stand im vierten Quartal ein deutlicher Umsatzrückgang gegenüber. Denn es kann auch an uns als B2B-Versandhändler nicht spurlos vorüber gehen, wenn unsere Kunden weltweit unter Auftragsrückgängen zu leiden haben. Gerade in den letzten beiden Monaten des Jahres hielten sich unsere Kunden mit Kaufaufträgen viel stärker zurück als erwartet, sodass sowohl der ursprünglich anvisierte Zuwachs von vier Prozent als auch das im Oktober reduzierte Wachstumsziel von zwei Prozent für das Gesamtjahr nicht erreicht werden konnten.
Auch in puncto Profitabilität haben wir nicht nur das hohe Niveau gehalten, sondern uns sogar noch leicht verbessern können. Die für die operative Profitabilität maßgebliche EBITDA-Marge stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent und liegt damit nach wie vor am oberen Ende unseres langfristigen Zielkorridors von zwölf bis 15 Prozent. Dass TAKKT in einem so schwierigen Marktumfeld so profitabel dasteht, ist zwei Faktoren zu verdanken: dass wir uns strategisch auf unsere Stärken, sprich unser Kerngeschäft konzentriert haben, und dass wir bereits in den vergleichsweise „fetten“ Jahren zuvor ein effizientes Kapazitäts- und Kostenmanagement betrieben haben. Unser Ziel war und ist es, flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können. Dies werden wir auch in 2009 tun.
Die Kontinuität und Stabilität unseres Unternehmens wollen wir auch in unserer Dividendenpolitik zum Ausdruck bringen. Daher werden wir der Hauptversammlung vorschlagen, eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 80 Cent je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr zu beschließen. Diese soll erneut aus einer Basisdividende in Höhe von 32 Cent und einer Sonderdividende in Höhe von 48 Cent je Aktie bestehen. Wir können dies tun, weil
So weit zu den Eckdaten des Jahres 2008: Angesichts des bedrohlichen Ausnahmezustands, in dem sich die gesamte Weltwirtschaft befindet, müssen und dürfen wir mit dem Ergebnis des TAKKT-Konzerns durchaus zufrieden sein. Mehr dazu gleich von Herrn Dr. Funck.
TAKKT 2008: Highlights aus den Geschäftsbereichen
Was
gibt es aus 2008 an erfolgreichen Aktivitäten zu berichten? Hier nur
die wichtigsten Highlights aus unseren drei Geschäftsbereichen:
KAISER + KRAFT EUROPA
Dass KAISER + KRAFT EUROPA
ein ausgezeichnetes und systematisiertes Geschäftsmodell besitzt, hat
man uns jetzt auch offiziell bestätigt. Im September 2008 bekam KAISER
+ KRAFT EUROPA die Auszeichnung „Versender des Jahres“, das ist der
bedeutendste Preis, sozusagen der Oscar der deutschen Versandbranche,
den der Bundesverband des Deutschen Versandhandels und die
Fachzeitschrift „Der Versandhausberater“ alljährlich vergibt. Zum
ersten Mal in der Geschichte dieses Preises wurde dabei mit KAISER +
KRAFT EUROPA ein Unternehmen aus dem B2B-Bereich geehrt.
Ausschlaggebend für die Jury war die Qualität und Weiterentwicklung des
Sortiments ebenso wie die Innovationskraft von KAISER + KRAFT EUROPA,
nicht zuletzt aber auch die überzeugende wirtschaftliche Performance in
den zurückliegenden Jahren.
2008 hat KAISER + KRAFT EUROPA seine Mehrmarkenstrategie mit einer erfolgreichen Neugründung fortgesetzt. Seit Mai letzten Jahres ist der Geschäftsbereich nunmehr auch mit der Marke Gaerner in Spanien präsent. Den Start kann man mit Fug und Recht als gelungen bezeichnen, denn die Zahlen aus den ersten Monaten haben unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Nach wie vor positiv entwickelt sich auch das Geschäft bei den ebenfalls noch jungen Gesellschaften, die in 2006 und 2007 an den Start gingen: KAISER + KRAFT in China und der Slowakei sowie Gaerner in Frankreich.
Topdeq
Als Premiummarke im Segment hochwertiger
Büroausstattung ist Topdeq mehr als unsere anderen Geschäftsbereiche
von der Konjunkturkrise betroffen. Dennoch haben wir trotz deutlich
rückläufiger Umsatzzahlen die Profitabilität auf Vorjahresniveau halten
können. Dies ist neben operativen Verbesserungen auch darauf
zurückzuführen, dass unser deutlich vergrößertes Versandhandelszentrum
in Pfungstadt bei Darmstadt im Mai 2008 „auf Sendung ging“. Dieses
hochmoderne, leistungsstarke Logistikzentrum wird von Topdeq und KAISER
+ KRAFT EUROPA gemeinsam genutzt.
Für die Investition in den Standort Pfungstadt wurde Topdeq übrigens vom Landkreis Darmstadt-Dieburg als Unternehmen des Jahres 2008 ausgezeichnet.
K + K America
Bei K + K America muss als
wichtigstes Highlight sicherlich der Start von Hubert in Deutschland
genannt werden: Die Resonanz der Kunden auf den ersten Katalogversand
schon vor der offiziellen Eröffnung im Juni 2008 war weitaus positiver
als von uns erwartet. Daher gehen die Planungen bei Hubert schon jetzt
über Deutschland hinaus. Der Eintritt in weitere Märkte in Europa ist
bereits in Vorbereitung – ein zweites Land kommt noch in diesem Jahr
dazu.
Auch die Integration des 2006 übernommenen Büromöbelversenders National Business Furniture (NBF), Marktführer in den USA, geht weiter zügig voran. Ein Beispiel dafür: Seit 2008 kann die NBF-Gruppe ihren Kunden noch kürzere Lieferzeiten und besseren Service bieten, da sie nun die Logistikinfrastruktur von Topdeq nutzt und so einen Teil der Produkte direkt ab Lager liefern kann.
Meine Damen und Herren,
so viel zu den Highlights des Jahres.
Wenn Ihnen jetzt mein Kollege Dr. Florian Funck das Geschäftsjahr 2008
im Detail vorstellt, werden Sie sehen: Wo viel Licht ist, ist –
natürlich – auch Schatten, vor allem in Zeiten wie diesen. So hat die
konjunkturell äußerst finstere Großwetterlage mit einigen ihrer
Tiefausläufer auch unsere Geschäftsfelder nicht verschont. Auch TAKKT
operiert nicht etwa auf einer Insel der Glückseligen, wo sie von den
Stürmen und Beben um sie herum nicht betroffen wäre. Aber sie ist
wetterfest und so gut es geht gerüstet.
Auswirkungen der Konjunktur- und Finanzkrise auf TAKKT
Meine Damen und Herren,
in
der aktuellen Krise tun sich selbst die Wirtschaftsweisen schwer damit,
Verlässliches über deren weiteren Verlauf und voraussichtliche Dauer zu
sagen. Viele der ausgewiesenen Konjunkturexperten wagen derzeit
überhaupt keine Prognose mehr. Da werden Sie vom Vorstand eines
Versandhandelsunternehmens keine Prophezeiungen erwarten. Wenn ich mir
trotzdem Gedanken darüber mache, wie es wohl weitergeht, dann auch
deshalb, weil nun die Amtsübergabe an meinen Nachfolger ausgerechnet
in eine so schwierige Zeit fällt.
Anders als in den letzten Jahren, die ja vergleichsweise ruhig waren und in denen wir uns deshalb an dieser Stelle mit ein paar wenigen Sätzen zur Konjunktur begnügen konnten, müssen wir dieses Jahr um einiges genauer auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld schauen. Denn natürlich ist auch unser Geschäft konjunkturabhängig. Das hat sich in der Vergangenheit nur deshalb kaum bemerkbar gemacht, weil unsere Gruppe weltweit aktiv ist und die Konjunkturschwankungen in den einzelnen Regionen der Welt sich häufig ausgeglichen haben. Sprich: Wenn es mal in Europa schwächer lief, lief es dafür zeitgleich anderswo, zum Beispiel in den USA, ganz gut. Wir konnten somit dank unserer globalen Präsenz ein Minus hier oder eine Stagnation da mit einem Wachstumsplus anderswo kompensieren, unterm Strich meistens sogar mehr als ausgleichen. Dieses Mal aber geht es zeitgleich auf allen Weltmärkten in dieselbe Richtung, und zwar bergab. Wenn das verarbeitende Gewerbe, das circa die Hälfte unserer Kunden ausmacht, auf die Bremse tritt, dann spüren wir das unmittelbar. Das Kundensegment Dienstleistungen wird folgen. Einzig die großzügigen Konjunkturprogramme der Staaten werden für eine kurzfristige Aufhellung sorgen.
Wir haben also allen Grund, uns dafür vorzusehen. Und das tun wir.
Erster Ausblick in 2009: schwieriges Jahr für TAKKT
Lassen
Sie mich zuerst erläutern, welche Auswirkungen TAKKT bei einer schweren
Konjunkturkrise erfährt und warum wir davon überzeugt sind, für deren
Bewältigung gut gerüstet zu sein.
Da diese Krise in ihrem Ausmaß und ihrer Dauer nicht abgeschätzt
werden kann, haben wir verschiedene Szenarien entwickelt, welche
Auswirkungen die Rezession je nach Ausmaß auf unsere Umsatzentwicklung
und als Folge daraus auf die Profitabilität von TAKKT haben könnte. Die
Szenarien reichen von einem spürbaren Umsatzrückgang über einen starken
bis hin zu einem extremen Umsatzeinbruch. Im Einzelnen ergibt sich
daraus folgendes Bild:
Meine Damen und Herren,
diese Rezession ist nicht die erste in
meinem Berufsleben, genauer gesagt ist es die vierte. Man weiß zwar
vorher nie genau, wann es so weit ist, aber dass man sein Unternehmen
frühzeitig auf Konjunkturflauten einstellen muss, ist klar. Es ist aber
auch klar, dass jede Rezession irgendwann wieder vorbei ist und in
einen Aufschwung übergeht. Bisher ist TAKKT aus jedem Konjunkturtal
gestärkt hervorgegangen, und so wird es auch dieses Mal sein. Das ist
kein frommes Wunschdenken, sondern lässt sich ganz plausibel begründen,
denn: In guten Zeiten können sich viele Anbieter im B2B-Handel
versuchen, und da mögen sie auch mehr oder weniger zurechtkommen. In
schlechten Zeiten dagegen trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer da
keine perfekte Logistik aufweisen kann, keine ausreichenden
Marktanteile, keine entsprechenden Volumina (Skaleneffekte) und somit
keine gesunden Margen hat, wird sich früher oder später verabschieden
müssen. Nennen Sie es die Selektionsfunktion des Marktes oder auch
(aktuell zum 200. Geburtstag von Charles Darwin) den Prozess der
„natürlichen Auslese“. Jedenfalls, da wir in all den genannten Punkten
gut dastehen und daran in den letzten Jahren konsequent gearbeitet
haben, können wir mit großer Sicherheit sagen: Am Ende wird TAKKT zu
den Gewinnern gehören und seine Marktanteile sogar ausweiten.
Zehn Jahre TAKKT AG – ein Unternehmen im Wachstum
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor zehn Jahren, 1999, haben wir die TAKKT AG an die Börse gebracht. Die Bilanz dieser zehn Jahre kann sich sehen lassen.
Oder nehmen Sie diese Zahlen:
Die
Zahlen sprechen eine klare Sprache. Zum einen machen sie deutlich, wie
profitabel das Unternehmen in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Zum
anderen sieht man aber auch, dass obwohl unsere Aktionäre in besonderem
Maße am Erfolg des Unternehmens beteiligt wurden, die Eigenkapitalquote
auf über 60 Prozent angestiegen ist.
Ausblick: strategische Agenda
Unser
ambitioniertes Ziel für die weitere Zukunft ist klar formuliert: Was
wir in Europa und den USA bereits sind, wollen wir auch weltweit werden
beziehungsweise weiter Ausbauen: die Nummer Eins im B2B-Versandhandel
für Business Equipment. Daher werden wir auch in den nächsten Jahren
unser bewährtes Geschäftsmodell auf neue Märkte übertragen.
Die einzelnen Bausteine unserer Strategie lauten: Wir wollen jedes
Jahr mindestens eine Neugründung oder Akquisition realisieren. Als
quantitativ messbare Zielgröße haben wir eine Wachstumsrate von
durchschnittlich zwölf Prozent pro Jahr definiert. Dies mag nicht jedes
Jahr realisierbar sein, insbesondere nicht in der derzeitigen
Wirtschaftskrise; dennoch halten wir als Mittelwert über die Jahre an
dieser ambitionierten Zielmarke fest. Erreicht werden soll dies etwa
zur Hälfte aus organischem Wachstum und zur anderen Hälfte aus
Akquisitionen. Dazu haben wir eine Reihe von Wachstumsinitiativen
definiert: Neben der kontinuierlichen Optimierung unserer Services und
Angebote gehört dazu die Erweiterung der logistischen Infrastruktur
ebenso wie der konsequente Ausbau unserer Mehrmarkenstrategie. Als
prominentes Beispiel sei hier der Aufbau von Hubert Europa genannt.
Meine Damen und Herren,
wie
das Jahr 2008 nur allzu deutlich gezeigt hat, darf man sich derzeit auf
keine positiven konjunkturellen Wachstumsimpulse verlassen, im
Gegenteil. Mehr denn je gilt es, selbst die Weichen in Richtung
Wachstum zu stellen. Bei allem, was wir uns für die TAKKT AG an
Expansionsplänen vorgenommen haben, sei jedoch ausdrücklich betont: Es
geht uns nie um reines Größenwachstum als Selbstzweck, sondern immer
mit Blick auf die Ergebnismargen. Das heißt, wir wollen nicht wachsen
um jeden Preis, „koste es was es wolle“, sondern qualitatives Wachstum
– nämlich da, wo es sich auch rechnet. An dieser strikt ertrags- und
wertorientierten Ausrichtung wird sich auch durch den personellen
Wechsel in der Führung der TAKKT AG nichts ändern.
Lieber
Kollege Zimmermann, ich wünschte, Sie könnten Ihre neue Aufgabe in
einem weniger turbulenten Umfeld antreten; aber ich weiß, dass TAKKT
mit Ihnen genau den Richtigen dafür hat. Ihnen und unserem Unternehmen
wünsche ich den verdienten Erfolg!
Jetzt, meine Damen und Herren, stehen wir Ihnen Rede und Antwort. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.