Rede von Georg Gayer

Vorstandsvorsitzender der TAKKT AG

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie im Namen der TAKKT AG herzlich zur Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2004. Wir freuen uns, dass Sie heute Morgen zu uns gekommen sind. Wenn der frühe Termin bei Ihnen Anklang findet, werden wir künftig weiter nach dem Motto verfahren „Morgenstund´ hat Gold im Mund“.

Vorab ein paar Worte zum Verlauf der Pressekonferenz: Ich gebe Ihnen zunächst einen Überblick über das abgelaufene Geschäftsjahr. Herr Dr. Funck, unser Finanzvorstand, wird Ihnen dann detailliert die Zahlen der TAKKT-Gruppe erläutern. Anschließend stehen wir Ihnen gerne für Fragen zur Verfügung.

Rückblick
Vor genau einem Jahr haben wir hier über unsere Erwartungen für das Geschäftsjahr 2004 gesprochen. Damals haben wir ein kursbereinigtes Umsatzwachstum von drei Prozent in Aussicht gestellt. Heute können wir sagen: Die TAKKT AG hat dieses Ziel mit 5,8 Prozent deutlich übertroffen.

Im Mittelpunkt stand 2004 das Projekt „Perfect Service“, mit dem wir unsere Leistungen in allen Geschäftsbereichen weiter verbessern. Unser Ziel ist es erstens, die Kundenbindung und damit auch den Umsatz zu erhöhen. Vom Vorstand bis zum Lagerarbeiter, vom Marketingchef bis zur Buchhalterin wird das Projekt gelebt. Unsere Leistungen haben sich verbessert und die Zahl unserer Fehler ist zurückgegangen. Ein zweiter Aspekt ist die Reduzierung des Aufwands bei der Abwicklung von Aufträgen, durch die wir eine höhere Profitabilität erreichen. Dies ist uns gelungen: Die Kunden haben häufiger gekauft und wir konnten unsere Kosten senken.

Nicht zuletzt wegen der Osterweiterung der EU stand im Jahr 2004 auch der Ausbau unserer Marktposition in Osteuropa im Vordergrund. Das Umsatzwachstum und vor allem das Ergebnis unserer Gesellschaften in der Region – von Ungarn bis Estland – hat unsere Erwartungen übertroffen.

Erwartungen übertroffen
Doch nicht nur in Osteuropa wurden unsere Erwartungen übertroffen. Auch in nahezu allen anderen Regionen haben wir unsere Umsatz- und Ergebnisziele erreicht.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement bedanken. Sie haben, zusammen mit unseren Partnern, entscheidend dazu beigetragen, dass 2004 ein erfolgreiches Geschäftsjahr war.

Der Umsatz der TAKKT-Gruppe stieg um 1,9 Prozent auf rund 728 Millionen Euro. Währungsbereinigt erhöhten sich die Erlöse – wie eben erwähnt – um fast sechs Prozent.

Die Profitabilität verbesserte sich weiter, so dass auch die Ergebniskennzahlen überproportional zunahmen. Das Ergebnis pro Aktie stieg zum Beispiel um mehr als 33 Prozent.

Durch verbesserte Werbemittel und Angebote sowie durch eine unverändert intensive Neukundenwerbung haben wir 2004 mehr als 100.000 Kunden hinzugewonnen. Aufgrund schlechter Konjunkturaussichten sowie einer hohen Zahl von Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen hat sich die Zuwachsrate jedoch im Vergleich zu den Vorjahren etwas verringert.

Das Problem, das wir insbesondere in Deutschland haben, ist der Vertrauensverlust vieler unserer Kunden in die Zukunft. Dies drückt sich auch darin aus, dass größere Aufträge (Erweiterungsinvestitionen) weiter ausbleiben. Unser Wachstum erreichen wir mit Aufträgen unserer Kunden für Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen, und durch die Gewinnung von Marktanteilen.

Vor allem in Deutschland ist noch kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erkennen. Zudem wird sich die Situation in der Bundesrepublik weiter verschlechtern, weil die Länder Osteuropas den Unternehmen bessere Standortbedingungen bieten können. Gründe dafür sind meines Erachtens vor allem neue Subventionen der EU, niedrigere Unternehmenssteuern und ein geringerer bürokratischer Aufwand.

Für TAKKT ist das aus zwei Gründen weniger dramatisch: Erstens wächst der Versandhandel weiter zu Lasten von traditionellen Vertriebskanälen wie dem stationären Einzelhandel. Zweitens ist die TAKKT-Gruppe schon heute international aufgestellt.

Das Geschäftsmodell des B2B-Versandhandels generiert einen außerordentlich hohen Cashflow und erfordert relativ geringe Investitionen. Es lässt sich nicht vermeiden, dass als Folge daraus die Eigenkapitalquote signifikant ansteigt. Ende 2004 erreichte die Quote von TAKKT beinahe 40 Prozent.

Ich möchte noch einige Worte zum Versandhandel allgemein sagen.

Die teilweise hausgemachten Probleme eines bestimmten B2C-Versandhändlers hatten – lassen Sie es mich so formulieren – „keine positiven Auswirkungen auf unseren Aktienkurs“. B2B-Versandhandel und B2C-Versandhandel unterscheiden sich jedoch grundlegend.

Im B2B-Versandhandel bestimmt der Bedarf das Geschäft. Durch Preisnachlässe kann kein Bedarf erzeugt werden. Anders im B2C-Versandhandel. Mit zusätzlicher Werbung und Preisnachlässen lässt sich sehr wohl zusätzlicher Bedarf generieren. Das bedeutet aber auch: Preiskampf, hohe Retourenquoten und hohe Forderungsverluste, weil die Kunden über ihre Möglichkeiten hinaus bestellen.

Dies sind nur einige entscheidende Unterschiede zwischen B2B- und B2C-Versandhandel. Eine vollständige Aufzählung würde jetzt jedoch den Rahmen sprengen, deshalb zurück zum Jahr 2004.

Umsatzsteigerung in allen Geschäftsbereichen
Schauen wir uns die Zahlen jetzt im Einzelnen an. Wie Sie auf dem Chart sehen, erwirtschaftete die TAKKT-Gruppe einen Umsatz von 727,6 Millionen Euro, 1,9 Prozent mehr als 2003. Dabei muss man berücksichtigen, dass sich die Schwankungen der Wechselkurse auf die in Euro berichtete Kennzahl auswirken. Vor allem der schwache US-Dollar macht sich hier negativ bemerkbar. Währungsbereinigt stieg der Umsatz sogar um 5,8 Prozent. Alle drei Geschäftsbereiche – KAISER + KRAFT EUROPA, Topdeq und K + K America – haben zu diesem Wachstum beigetragen.

Erfreulich ist auch die Entwicklung beim operativen Ergebnis EBITA, also dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern vom Einkommen und vom Ertrag sowie Abschreibungen auf Firmen- und Geschäftswerte, das sich um 11,1 Prozent auf 78,2 Millionen Euro verbesserte. Die EBITA-Marge erhöhte sich auf 10,7 Prozent. Sie liegt damit am oberen Ende des Korridors von neun bis elf Prozent, den wir dauerhaft anstreben.

Steigerung des Ergebnisses vor Steuern und hoher Cashflow
Noch deutlicher war der Anstieg beim Ergebnis vor Steuern, das um 26,8 Prozent auf 51,5 Millionen Euro zulegte. Die Ergebnismarge betrug entsprechend 7,1 Prozent. TAKKT profitierte hier zusätzlich davon, dass sich der Zinsaufwand durch die niedrigere Verschuldung erneut verringerte.

Durch die guten Umsatz- und Ertragszahlen haben wir beim Cashflow ebenfalls zugelegt – und das auf einem hohen Niveau. Der Cashflow erreichte den sehr guten Wert von 57,7 Millionen Euro; das entspricht einer Marge von 7,9 Prozent.

Investitionen auf Normalniveau
Betrachten wir nun die Investitionen: Für die Rationalisierung, Erweiterung und Instandhaltung des Geschäfts gab TAKKT 8,6 Millionen Euro aus. Damit lagen die Aufwendungen im langfristigen Durchschnitt von ein bis zwei Prozent des Umsatzes. Wir haben vor allem in Systeme investiert, durch die wir unsere Services und Prozesse weiter verbessern: zum Beispiel neue EDV-Plattformen.

Schuldentilgung und Wachstumsfinanzierung gesichert
Unser Geschäftsmodell erfordert relativ wenig Investitionen. Da die Ausgaben auch 2004 auf „Normalniveau“ lagen, wuchs der Free Cashflow spürbar um 20,6 Prozent und erreichte mit 49,1 Millionen Euro einen neuen Rekordwert. Der hohe Free Cashflow ermöglichte es uns, die Verbindlichkeiten wie geplant zu reduzieren und die Eigenkapitalquote deutlich zu erhöhen.

Gestärkte Eigenkapitalquote und erhöhte Dividende
Das Ergebnis sehen Sie auf diesem Chart: Die Eigenkapitalquote – ohne Minderheitenanteile – kletterte innerhalb eines Jahres von 32,8 auf 39,6 Prozent. Damit sind wir in der Lage, weiteres Wachstum aus eigenen Mitteln zu finanzieren und die Dividende um 50 Prozent zu erhöhen: Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung vorschlagen, pro Stückaktie eine Dividende von 15 Cent auszuzahlen.

Es ist uns wichtig, die Aktionäre auf diese Weise angemessen am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen.

Corporate Governance
Bevor ich Ihnen unsere Erwartungen für das Geschäftsjahr 2005 schildere, möchte ich kurz das Thema Corporate Governance ansprechen. Für uns, das Management von TAKKT, hat es seit jeher höchsten Stellenwert, das Unternehmen transparent und verantwortungsvoll zu führen. Aus diesem Grund bekennen wir uns auch ausdrücklich zu den Regelungen des Deutschen Corporate Governance Kodex, dessen Empfehlungen TAKKT bis auf die zwei folgenden Ausnahmen vollständig einhält.

Da der Aufsichtsrat der TAKKT AG vergleichsweise klein ist, sehen wir nach wie vor keinen Bedarf, einen Prüfungsausschuss für das Gremium einzurichten.

Außerdem werden wir keine individualisierten Angaben über die Vergütung der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder machen. Wir sind davon überzeugt, dass individualisierte Angaben nur unwesentlich mehr aussagen als die Summe der Bezüge. Sie würden jedoch die Privatsphäre der Gremiumsmitglieder beeinträchtigen.

Noch ein paar kurze Anmerkungen zu den nicht abreißenden Diskussionen über eine individuelle Offenlegung aller Bezüge und Nebenleistungen der Vorstände.

  • Wenn schon eine Offenlegung gefordert wird, dann sollte es auch keine Ausnahmen geben – weder für Abgeordnete, noch für Vorstände oder Leiter von Körperschaften öffentlichen Rechts.
  • Eine Veröffentlichung wird definitiv nicht zu einer Senkung der Bezüge, sondern eher zu einer weiteren Erhöhung der Bezüge führen – wie sich in den USA gezeigt hat.
  • Noch ein Beispiel für die Folgen einer Offenlegung: Wie bringen Sie es einem Manager bei den Einstellungsgesprächen bei, dass er weniger verdienen soll als sein Vorgänger?
  • Und schließlich viertens: Es gibt für die Gesellschaft wesentlich Wichtigeres zu tun, als monatelang über dieses Thema zu diskutieren.

Unsere Entsprechenserklärung finden Sie im vollen Wortlaut auf unserer Website und im Geschäftsbericht.

Ausblick 2005
Damit sind wir bei meinem letzten Thema, dem Ausblick auf 2005. Wie wird sich das Geschäft von TAKKT in diesem Jahr entwickeln?

Wir erwarten in Europa und Nordamerika kaum positive konjunkturelle Impulse. Gründe dafür sind die Haushaltsdefizite diesseits und jenseits des Atlantiks, die hohen Rohstoffpreise, das Wechselkursverhältnis des Euro zum US-Dollar und die Untätigkeit der Regierungen in der Wirtschaftspolitik.

Trotzdem sind wir vorsichtig optimistisch. Unsere solide Ertrags- und Finanzlage gibt uns eine gute Ausgangsbasis, um weiter zu wachsen – mit unserem bestehenden Geschäft, Neugründungen und Akquisitionen.

In den kommenden Monaten werden wir mit fünf neuen Gesellschaften auf drei Kontinenten unsere internationale Ausrichtung auf eine noch breitere Basis stellen.

Wenn die Behörden die notwendigen Genehmigungen erteilen, wird   KAISER + KRAFT China im Herbst 2005 den ersten Katalog versenden. Das Land der Mitte ist jedoch nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch für den Einkauf interessant. KAISER + KRAFT EUROPA und K + K America werden künftig verstärkt Produkte aus dem asiatischen Land beziehen – immer vorausgesetzt, dass die Artikel die hohen Qualitätsanforderungen von TAKKT erfüllen.

Darüber hinaus ist KAISER + KRAFT bald in der Türkei vertreten. Das neue Tochterunternehmen mit Sitz im Großraum Istanbul wird die erfolgreichsten Artikel aus dem Sortiment von KAISER + KRAFT anbieten. Ab Mai 2005 versendet die Gesellschaft Kataloge in der wirtschaftlich bedeutendsten Region des Landes, die zwischen den Metropolen Istanbul, Izmir und Ankara liegt.

Die auf Osteuropa spezialisierte Marke KWESTO expandiert nach Rumänien. KWESTO wird dort der erste namhafte B2B-Versandhändler sein – beste Voraussetzungen, um den Markt als Pionier entscheidend zu prägen. Den ersten Katalog will das Unternehmen im Herbst 2005 versenden.

Topdeq wird eine Gesellschaft im Großraum Brüssel gründen, um den belgischen Markt zu erschließen. Das Unternehmen kann seinen Kunden dank des neuen Warenwirtschaftssystems einen 24-Stunden-Lieferservice bieten: Die Kunden erhalten die Produkte direkt aus dem Versandhandelszentrum in Pfungstadt. Die ersten Kataloge in französischer und flämischer Sprache werden voraussichtlich Mitte 2005 versandt. Neben der Neugründung in Belgien steht bei Topdeq im Jahr 2005 die Bemühung im Vordergrund, Effizienz, Serviceleistungen und Umsatz zu verbessern.

Auch bei K + K America ist das Thema Expansion wieder aktuell. Vor drei Jahren hatte das US-Tochterunternehmen Hubert erstmals einen Katalog nach Kanada versandt. Inzwischen hat sich das Geschäft so gut entwickelt, dass Hubert 2005 eine Gesellschaft im Großraum Toronto gründet.

Doch nicht nur in Sachen Marktpräsenz haben wir uns für 2005 ehrgeizige Ziele gesetzt: Bei der Qualität wollen wir ebenfalls weiter zulegen. Denn schließlich ist der vorbildliche Service von TAKKT ein wesentliches Kaufargument für unsere Kunden. Wir werden deshalb auch in diesem Jahr das Projekt „Perfect Service“ fortsetzen, mit dem wir unsere Leistungen in allen Unternehmensbereichen verbessern. Dies betrifft Prozesse und Serviceleistungen ebenso wie Werbemittel und Produktangebote.

Fünf Neugründungen und eine konzernweite Qualitätsinitiative – Sie sehen, wir haben viel vor. Ich bin davon überzeugt, dass uns die genannten Projekte deutlich voranbringen werden: Mit ihnen legen wir die Basis dafür, um auch in den kommenden Jahren weiter dynamisch zu wachsen – und unsere Marktposition auszubauen. Für 2005 rechnen wir mit einem kursbereinigten Wachstum von mindestens drei Prozent.

Mit dieser erfreulichen Perspektive möchte ich meine Ausführungen beenden. Herr Dr. Funck wird Ihnen nun die Einzelheiten unseres Jahresabschlusses vorstellen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!