Vorstandsvorsitzender der TAKKT AG
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen der TAKKT AG begrüße ich Sie herzlich zur diesjährigen Bilanzpressekonferenz.
In gewohnter Form möchte ich Ihnen die Ergebnisse des Jahres 2002 der TAKKT AG vorstellen und die Einflussfaktoren auf unser Geschäft erläutern. Anschließend wird Herr Dr. Zimmermann die Zahlen der TAKKT– Gruppe detailliert darstellen. Am Ende unserer Ausführungen beantworten wir dann gern Ihre Fragen.
Gesteigerte Profitabilität trotz widrigem konjunkturellem Umfeld
Das
abgelaufene Geschäftsjahr lässt sich in einem Satz so zusammenfassen:
Trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds ist es der TAKKT AG
gelungen, sich zu behaupten und die Stellung als internationaler
Marktführer im B-to-B-Versandhandel für Betriebs-, Büro- und
Lagerausstattung weiter auszubauen.
Höhere EBITDA-Marge bei leichtem Umsatzrückgang
Das möchte ich schlaglichtartig erläutern.
Erstens: Im Jahr 2002 haben die Konjunktur und die
Wechselkursentwicklung unseren Geschäftsverlauf beeinflusst. Insgesamt
verzeichnet die TAKKT AG deshalb einen Umsatzrückgang um 4,9 Prozent
auf rund 784 Millionen Euro. Den Umsatzrückgang in Deutschland konnten
wir durch Zuwächse im Ausland teilweise kompensieren. So haben wir von
unserer internationalen Ausrichtung profitiert. Obwohl wir mit dem
Umsatzverlauf nicht zufrieden sind, konnten wir laut den uns bekannten
Branchenzahlen weitere Marktanteile hinzugewinnen.
Zweitens:
Trotz der widrigen äußeren Umstände haben wir die Profitabilität
gesteigert. Die EBITDA-Marge liegt mit 10,9 Prozent innerhalb des
Rahmens, den wir uns für die langfristige Entwicklung gesteckt haben.
Vor allem aber liegt sie leicht über dem Vorjahreswert von 10,5
Prozent. Erheblich zugelegt haben wir beim Ergebnis vor Steuern und
beim Cashflow – beide Größen konnten wir um mehr als 9 Prozent steigern.
Drittens:
Trotz des Umsatzrückgangs bleibt die TAKKT AG auch finanziell ein
kerngesundes Unternehmen. Im abgelaufenen Jahr konnten wir unsere
Eigenkapitalquote erhöhen und die Verbindlichkeiten weiter reduzieren.
Schwache Konjunktur prägte Geschäft in Nordamerika und Europa
Schauen
wir uns einige Kennzahlen genauer an. Beim Umsatz hat die TAKKT AG, ich
sagte es schon, einen Rückgang von 4,9 Prozent oder rund 40 Millionen
Euro hinnehmen müssen. Natürlich hatten wir gehofft, auch für das Jahr
2002 wieder ein Wachstum präsentieren zu können.
Leider ist es anders gekommen. Insbesondere haben sich die Voraussagen zur konjunkturellen Entwicklung nicht erfüllt. Der Aufwärtstrend der US-Wirtschaft ist wesentlich schwächer verlaufen als erwartet und wurde zudem fast ausschließlich vom privaten Sektor getragen. Dies hat uns in dreifacher Hinsicht zu schaffen gemacht. Zum einen erwirtschafteten wir rund 44 Prozent des Umsatzes in den USA. Wenn das Geschäft in dieser Region stockt, hat dies spürbare Auswirkungen auf die gesamte Gruppe.
Zum anderen haben die USA ihre Rolle als Konjunkturlokomotive für den Rest der Welt nicht in gewohnter Weise spielen können. Darunter hat auch die Konjunktur in Europa gelitten und damit auch unser Geschäft in Europa. Und zum dritten hat der schwache US-Dollar unsere Zahlen negativ beeinflusst. Wären die Wechselkurse gegenüber 2001 stabil geblieben, hätte das Umsatzminus nur 3,0 Prozent betragen.
TAKKT AG bleibt ertragsstark
Das EBITDA, das
Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen,
konnten wir dagegen recht stabil halten – ein Zeichen für die
Profitabilität des TAKKT-Geschäftsmodells.
Auch wenn wir die absolute Höhe des EBITDA nicht steigern konnten, so werten wir die Steigerung der Marge auf 10,9 Prozent unter den gegebenen Umständen als Erfolg. Maßgeblich zur Margenverbesserung haben die gesteigerte Rohertragsquote und ein strenges Kostenmanagement beigetragen.
Auch beim Cashflow konnten wir zulegen: Diese Kennzahl erreichte mit 53 Millionen Euro, eine Steigerung um 9,6 Prozent. Noch etwas stärker hat der Jahresüberschuss vor Steuern zugenommen, nämlich um 9,7 Prozent auf 39,0 Millionen Euro. Sie sehen, TAKKT ist auch unter schwierigen Bedingungen ein ertragsstarkes Unternehmen.
Stabilisierungsphase nach der raschen Expansion der Vorjahre
Die
Investitionen des Konzerns bewegten sich 2002 im selben Rahmen wie in
den Vorjahren, sieht man einmal von den Akquisitionen ab. Nach der
starken Expansion der Vorjahre hat die TAKKT AG im abgelaufenen
Geschäftsjahr ihren Focus auf das organische Wachstum und weitere
Rationalisierung gesetzt.
Außerdem war im vergangenen Geschäftsjahr unser Ziel, die Neugründungen aus den Vorjahren mit angemessenem Aufwand in ihren jeweiligen Märkten zu verankern und deren Marktstellung auszubauen.
Die TAKKT AG ist ein ertragsstarkes und solide finanziertes Unternehmen. Das sehen Sie auch an der Steigerung der Eigenkapitalquote. Sie stieg von 24,8 Prozent auf 27,7 Prozent an. Parallel dazu konnten wir Schulden abbauen. Damit verfügen wir über eine stabile finanzielle Basis für das weitere Wachstum unserer Gesellschaft.
Konjunkturprognosen haben sich nicht bewahrheitet
Ich
möchte Ihnen jetzt, wie angekündigt, den Einfluss der Konjunktur auf
den Geschäftsverlauf der TAKKT AG erläutern. Zur Einstimmung haben wir
für Sie zusammengestellt, wie die Prognosen sich entwickelt haben und
wie es dann tatsächlich gekommen ist. Sie sehen, dass alle den
Konjunkturverlauf im Jahr 2002 falsch eingeschätzt haben. Die positiven
Erwartungen haben sich in Unsicherheit gewandelt. Statt zusätzlichem
Wachstum verringerten sich die Wachstumsraten. Dies alles hat auch
Einfluss auf unser Geschäft.
Grob gesagt, bestellen unsere Kunden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten relativ seltener bei uns, und sie bestellen pro Auftrag wertmäßig weniger. Trotzdem konnten wir die Anzahl der Aufträge mit knapp über zwei Millionen nahezu konstant halten. Denn es ist uns gelungen, im vergangenen Jahr knapp 200.000 neue Kunden zu gewinnen. Damit wuchs die Zahl unserer Kunden auf rund 2,6 Millionen an.
Infolge der schwierigen wirtschaftlichen Lage ist der durchschnittliche Auftragswert innerhalb der TAKKT-Gruppe um 2,8 Prozent gesunken. Er lag im Jahr 2002 bei 381 Euro.
Rohertragsmarge kaum von der Konjunktur beeinflusst
Unsere
Rohertragsmarge ist im Konjunkturverlauf stabil. Sie hat sich im
abgelaufenen Geschäftsjahr sogar um einen halben Prozentpunkt auf 40
Prozent verbessert. Ein Grund dafür liegt darin, dass unsere
Produktpalette relativ preisunempfindlich ist. Zudem hat KAISER + KRAFT
EUROPA durch die Lagererweiterung in Kamp-Lintfort sein Lagergeschäft
ausgebaut. Auch das hat die Rohertragsmarge verbessert. Außerdem hilft
uns an dieser Stelle ausnahmsweise auch die Konjunkturflaute ein wenig:
Großaufträge, bei denen wir in der Regel Rabatte hätten gewähren
müssen, blieben weitgehend aus.
Versandhandel wird zu Lasten des Groß- und Einzelhandels weiter wachsen
Begrenzten
Einfluss hat der Konjunkturverlauf auf das Wachstum unseres
Kundenstamms und des Marktanteils. Generell ist davon auszugehen, dass
der Versandhandel weiter zu Lasten des Einzel- und Großhandels
Marktanteile gewinnen wird – von diesem Trend profitiert auch die TAKKT
AG.
Das ist schon ein erster Ausblick, den ich gleich zum Schluss meiner Ausführungen noch detaillierter darstellen werde. Vorher möchte ich Ihnen aber noch die Highlights der vergangenen Monate präsentieren und etwas zur Kursentwicklung der TAKKT-Aktie sagen.
KAISER + KRAFT EUROPA, unsere umsatzstärkste Gesellschaft, hat durch die Neugründung von KWESTO in der Slowakei die Expansion in Osteuropa vorangetrieben. Der Erfolg von KWESTO zeigt, dass es richtig war, in Osteuropa ein zweites Standbein neben KAISER + KRAFT zu etablieren. Das Ergebnis ist eine starke Präsenz auf einem Zukunftsmarkt, der durch die anstehende EU-Osterweiterung noch interessanter wird.
TAKKT AG wagt den Schritt nach Asien
KAISER +
KRAFT EUROPA hat mit der Neugründung in Japan bewiesen, dass wir auch
in wirtschaftlich schwierigen Zeiten über den Tag hinaus denken und
investieren. Auf den Schritt nach Asien gehe ich gleich noch
ausführlich ein.
Highlight bei Topdeq, unserer Marke für designorientierte Büromöbel und Accessoires, war im vergangenen Jahr zweifellos die Inbetriebnahme der Lagererweiterung in Pfungstadt. Mit einem Volumen von 6,5 Millionen Euro hat Topdeq die größte, als Leasingprojekt konzipierte, Anlage-investition seiner Geschichte realisiert.
Seit dem 1. Januar 2003 verfügt Topdeq zudem über eine neue, effizientere Gesellschaftsstruktur, vergleichbar mit der Struktur von KAISER + KRAFT EUROPA. Dadurch sind die Entscheidungswege noch schneller geworden, die Verwaltungskosten werden sinken, die Finanzstruktur ist übersichtlicher geworden.
Unsere US-Tochter K + K America hat die Expansion nach Mexiko vorangetrieben. Die von K + K America in Mexiko gegründete Gesellschaft verschickte im Januar 2003 innerhalb des Landes erstmals einen Katalog in spanischer Sprache.
Bewährtes Systemgeschäft wird auf den japanischen Markt übertragen
Jetzt
möchte ich aber zurückkommen auf unsere Neugründung in Japan, der
zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Japan ist unser erster Standort
in Asien. Wir wollen dort die erfolgreiche Strategie fortsetzen, unser
bewährtes Systemgeschäft auf neue Regionen zu übertragen. Wenn wir
einen neuen Markt erschließen, dann stützen wir uns auf ein erprobtes
Geschäftsmodell, ein professionelles Produktprogramm und auf
eingespielte Prozesse und Systeme.
Mittelfristig wollen wir den asiatischen Raum weiter für unsere Gruppe erschließen. Der Schritt auf den japanischen Markt ist für uns deshalb zunächst ein Lernprozess. Ausgewählt haben wir das Land auf Grund seiner hervorragenden Infrastruktur und seines großen Marktpotenzials.
Auf dem japanischen Markt werden wir uns voraussichtlich in drei Schritten etablieren. Bis zum kommenden Jahr beschränken wir uns auf die Region Kanto, in der auch die Hauptstadt Tokio liegt. Dies ist die wirtschaftlich bedeutsamste Region des Landes. Anschließend werden wir in die benachbarte Region Chubu expandieren, in der 14 Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Im dritten Schritt wollen wir dann die Region Kansai erschließen. Diese drei Regionen stehen für zwei Drittel der japanischen Wirtschaftsleistung und sind daher für uns besonders attraktiv. Neben der regionalen Ausdehnung wird auch unser Produktangebot ständig erweitert werden.
Expansion in Asien wird der Konjunkturentwicklung angepasst
Der
Schritt nach Asien ist die logische Konsequenz unserer bisherigen
Entwicklung. Schließlich sind wir in Europa und Nordamerika bereits
flächendeckend vertreten.
Im Januar 2003 hat KAISER + KRAFT Japan erstmals einen Katalog
verschickt. Das Sortiment beschränkt sich noch auf Basisprodukte. Nach
einer Testphase werden wir die Produktpalette erweitern und die Auflage
des Katalogs erhöhen. So können wir entsprechend der wirtschaftlichen
Lage und der Kundenreaktionen unsere Aktivitäten in Japan steuern. Auch
in Japan gilt im nächsten Jahr unsere Maxime: „Qualität vor
Quantität“.
Kursverlauf der Aktie spiegelt Ertragsstärke der TAKKT AG nicht mehr wider
Gestatten
Sie mir bitte noch einige Bemerkungen zur Kursentwicklung der
TAKKT-Aktie im vergangenen Jahr. In den ersten Monaten konnte sich
unsere Aktie dem negativen Börsentrend entziehen – das entsprach der
Umsatz- und Ertragsentwicklung der TAKKT AG. Der Kursverlauf in der
zweiten Jahreshälfte entzieht sich allerdings einer Erklärung durch
Fundamentaldaten. Die hohe Ertragskraft und der starke Cashflow unserer
Gesellschaft spiegelten sich darin nicht wider.
Im Interesse der Aktionäre werden wir an der wertorientierten Führung der TAKKT AG festhalten und uns auch künftig den Anforderungen des Kapitalmarkts stellen. Die Aufnahme in den Prime Standard werten wir als Anerkennung unserer bisherigen Arbeit. Die TAKKT-Aktie wird auch im SDAX weiterhin enthalten sein.
Zum Ende meiner Ausführungen möchte ich kurz skizzieren, wie wir im Jahr 2003 agieren wollen. Wir rechnen mit einem weiteren schwierigen Jahr, das wir aber meistern werden. Wir werden unsere Produktangebote und den Service weiter verbessern und dies durch optimierte Werbemittel zielgerichtet kommunizieren. Dabei setzen wir auch auf unsere Neugründungen der vergangenen Jahre. Angesichts der Unsicherheiten der weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Lage bitte ich um Verständnis, wenn ich hier nur einen Zielkorridor für das Jahr 2003 angeben kann. Wir rechnen unter Berücksichtigung der erwähnten konjunkturellen Entwicklung mit einem organischen, währungsbereinigten Wachstum von drei bis fünf Prozent in 2003. Eine weiter anhaltende Schwäche des Dollars wird zwar den in Euro berichteten Umsatz im laufenden Jahr beeinflussen, jedoch hat dies keinen Einfluss auf die Ergebnismargen der Gruppe. Deshalb halten wir weiter an dem Ziel einer EBITDA-Marge von zehn bis zwölf Prozent fest.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und übergebe das Wort jetzt an Herrn Dr. Zimmermann, unseren Finanzvorstand. Er wird Ihnen den Jahresabschluss im Detail erläutern.