Rede von Georg Gayer

Vorstandsvorsitzender der TAKKT AG

Rede anlässlich der Bilanzpressekonferenz der TAKKT AG am 21. März 2002 in Stuttgart

Es gilt das gesprochene Wort


Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der TAKKT AG begrüße ich Sie recht herzlich zur diesjährigen Bilanzpressekonferenz.

Zunächst möchte ich Ihnen in gebotener Kürze erläutern, wie wir uns 2001 auf dem internationalen Markt präsentiert haben. Anschließend wird Ihnen Herr Dr. Zimmermann unsere Unternehmenszahlen detailliert darlegen. Am Ende unserer Ausführungen stehen wir Ihnen selbstverständlich ausgiebig Rede und Antwort.

Das Geschäftsjahr 2001 lässt sich mit einer Kernaussage trefflich umreißen und die lautet: Wir haben uns 2001 in einem sehr schwierigen konjunkturellen Umfeld behaupten können und damit unsere Marktposition gefestigt.

Behauptung in einem schwierigen Umfeld

Vier Punkte belegen das recht deutlich:
Erstens: Unser Gruppenumsatz stieg um 8,0 Prozent auf 824,1 Millionen Euro.
Zweitens: Die EBITDA-Marge lag mit 10,2 Prozent im langfristigen Zielkorridor von 10 bis 12 Prozent und bleibt damit relativ stabil.
Drittens: Wir duplizierten unser erfolgreiches Geschäftsmodell in neue Regionen und legten damit die Basis für weiteres Wachstum.
Viertens: Wir haben im Berichtsjahr unsere Eigenkapitalquote deutlich stärken können.

Wachstum bei Umsatz und stabile EBITDA-Marge

Angesichts der schwachen Konjunktur in den USA und Europa - unseren Hauptmärkten - war das Umsatzplus von 8 Prozent beachtlich, verglichen mit den beiden letzten Jahren 1999 und 2000 jedoch unterdurchschnittlich.

Besonders betroffen waren einige unserer etablierten Gesellschaften, die teilweise Umsatzrückgänge hinnehmen mussten. Im Berichtsjahr konnten wir daher organisch nicht zulegen. Dass wir trotzdem 824,1 Millionen Euro gegenüber den 762,8 Millionen Euro des Vorjahrs erwirtschafteten, geht hauptsächlich auf Hubert zurück. Das Ende 2000 akquirierte und 2001 ganzjährig konsolidierte US-Unternehmen erwies sich mit seinem breiten, auf den Dienstleistungssektor fokussierten Produktportfolio als konjunkturresistent. Ohne Hubert, bereinigt um Währungseffekte, wäre der Umsatz um 3,7 Prozent gesunken.

Dass wir kein organisches Wachstum verzeichneten, ist, trotz des Umsatzplus, ein Wermutstropfen. Wir hatten uns für 2001 mehr vorgenommen. Obwohl wir schon Anfang 2001 eine Eintrübung des Geschäfts - speziell bei C&H Distributors in den USA - feststellen mussten, überraschte uns doch das Ausmaß des konjunkturellen Rückgangs. Aber nicht nur wir wurden davon überrascht: Selbst die Konjunkturexperten lagen mit ihren Prognosen deutlich daneben.

Veränderung bei der Einschätzung des BIP 2001

Sie erinnern sich sicher: Mehrfach korrigierten die Wirtschaftsinstitute ihr prognostiziertes Bruttoinlandsprodukt für Deutschland, das Euroland und die USA nach unten.

Entgegen der ursprünglich erhofften weichen Landung durchlief die US-amerikanische Volkswirtschaft 2001 nach 10-jährigem Wachstum eine rezessive Phase. Die Ereignisse des 11. Septembers verschärften die Situation. Die volkswirtschaftliche Erholung verzögerte sich. Dadurch erzielten die USA in 2001 lediglich ein reales Wachstum von rund 1,1 Prozent. Im Jahr 2000 waren es noch 4,1 Prozent.

Dem Abwärtstrend der schwachen US-Wirtschaft konnte sich die Weltwirtschaft nicht entziehen. Europa, speziell Deutschland, wurde rascher als ursprünglich erwartet in Mitleidenschaft gezogen. Normalerweise übertragen sich die konjunkturellen Zyklen von den USA auf Europa mit einer gewissen Zeitverzögerung. 2001 war das anders. Erstmals kam es zu einer fast parallel verlaufenden Entwicklung: Für die TAKKT-Gruppe ist das ein entscheidender Punkt.

Denn diese außergewöhnlich kurze Zeitverzögerung erschwerte es uns, obgleich wir über viele regionale Standbeine verfügen, die Rückgänge in den USA vollständig aufzufangen. Während in der ersten Jahreshälfte das rückläufige Geschäft in den USA durch einen guten Geschäftsverlauf in Europa kompensiert werden konnte, gelang uns dies im zweiten Halbjahr nicht mehr.
In Europa verringerte sich das BIP ausgehend von 3,4 Prozent im Jahr 2000 auf ca. 1,5 Prozent, in Deutschland sogar von 3,0 Prozent auf 0,6 Prozent.

Auswirkungen der Konjunktur

Diese negative Konjunkturentwicklung wirkte sich im Konzern vor allem unmittelbar auf unsere Wert- und Wachstumstreiber aus: Dazu zählen der durchschnittliche Auftragswert, die Kaufhäufigkeit der Kunden und die Neukundengewinnung.

Der durchschnittliche Auftragswert verringert sich bei einer schlechten konjunkturellen Lage. Ebenso verringert sich die Kaufhäufigkeit.

Ausgezahlt hat sich in dieser schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage unser Fokus auf preisunempfindliche Produkte. Zusammen mit einer geringeren Zahl von Großaufträgen sorgten die beständigen Preisverhältnisse für eine stabile Rohertragsmarge. Wir konnten sogar die Rohertragsquote um knapp einen Prozentpunkt erhöhen.

Erfreulich war zudem, dass wir die niedrigeren Auftragswerte und die Kaufzurückhaltung pro Kunde zumindest teilweise durch die Neukundengewinnung kompensieren und damit die Basis für weitere Erfolge legen konnten. Dank verbesserter Werbemittel und einer optimierten Angebotspalette vergrößerten wir unsere Marktanteile und gewannen 250.000 neue Kunden hinzu. Unser Kundenstamm umfasst nunmehr 2,4 Millionen Kunden.

Wachstum bei Umsatz und stabile EBITDA-Marge

Kommen wir noch mal zurück zum Umsatz: Die, gemessen an den abnehmenden Auftragswerten und Stückzahlen, sinkende Nachfrage sorgte im Zusammenspiel mit der Erstkonsolidierung von Hubert - wie erwähnt - zumindest für einen unterproportionalen Umsatzanstieg.

Anders reagierte dagegen das EBITDA. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen nahm leicht von 87,6 auf 84,0 Millionen Euro ab. Der Rückgang des EBITDA wurde durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst: Eine Ursache waren die geplanten Anlaufverluste für die Neugründungen - Topdeq USA, KAISER + KRAFT Portugal und KWESTO Polen - sowie die Ausgaben für den erstmaligen Katalogversand von Hubert in Kanada und von KAISER + KRAFT in Irland. Gleichzeitig wirkte sich der Umsatzrückgang von einigen etablierten Gesellschaften aus. Diese Einflüsse konnten trotz Einsparungen und der Steigerung der Rohertragsmarge nicht vollständig kompensiert werden.

Jedoch blieb die EBITDA-Marge mit 10,2 Prozent, wie erwartet, in unserem langfristig anvisierten Zielkorridor von 10 bis 12 Prozent.

Der Rückgang beim EBITDA wurde also neben dem rückläufigen organischen Wachstum auch durch unsere konsequente Wachstumspolitik, der wir auch in 2001 treu geblieben sind, verursacht.

Seit Jahren übertragen wir konsequent, Schritt für Schritt, unser duplizierbares Systemgeschäft mit einer immer stärker diversifizierten Produktpalette sowohl auf neue Regionen als auch auf neue, ausgewählte Markt- und Kundensegmente. Dadurch gewinnen wir eine weitgehende Unabhängigkeit von einzelnen Produkt- und Kundengruppen sowie Regionen. Gleichzeitig können wir, wie es das Berichtsjahr verdeutlicht hat, auch weltweite Konjunkturschwankungen besser abfedern.

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Geschäftsbereich KAISER + KRAFT EUROPA. Sowohl in Nord- als auch in Süd- und Osteuropa erhöhten wir unsere Marktdurchdringung: Wir gründeten neue Gesellschaften und verbesserten weiter unsere Serviceleistungen und unsere Produktangebote.

Highlights 2001 - KAISER + KRAFT EUROPA

Bisher betreuten wir Osteuropa von KWESTO Tschechien aus. Um diesem wachstumsträchtigen Markt gerecht zu werden, gründeten wir im Berichtsjahr KWESTO Polen mit Sitz in Wroclaw (Breslau). Beide KWESTO-Gesellschaften orientieren sich mit ihren Angeboten hauptsächlich an den Marktbedürfnissen der kleinen und mittleren Unternehmen Osteuropas.

Portugal wurde bislang von KAISER + KRAFT Spanien betreut. Zur Verbesserung unserer Serviceleistungen entschlossen wir uns, in Portugal eine Gesellschaft mit Sitz in Lissabon zu gründen. Mit diesem Schritt konnten wir unsere Marktposition in Südeuropa deutlich stärken.

In Irland verschickte KAISER + KRAFT erstmals einen eigenen Katalog. Die Resonanz entsprach unseren Erwartungen.

Mitte 2001 konnten wir nach einjähriger Bauzeit die Erweiterung unseres Versandhandelszentrums in Kamp-Lintfort in Betrieb nehmen. Die Lagerfläche ist mit 26.000 Quadratmetern mehr als doppelt so groß wie vorher. Auf 26.000 Europalettenplätzen, vormals 12.000, lagern über 5.000 Artikel. Wir haben damit noch mehr Produkte schnell verfügbar.

Highlights 2001 - Topdeq

Kommen wir zu Topdeq. In ihrem ersten Jahr konnte die neue Topdeq-Gesellschaft in den USA, trotz des Konjunktureinbruchs, von Beginn an überzeugen. Das europäische Bürodesign fand bei unseren amerikanischen Kunden großen Anklang.

2001 erfolgte der erste Spatenstich für die Erweiterung des Topdeq-Zentrallagers in Pfungstadt. Bereits 2000 waren die Lagerkapazitäten völlig erschöpft, so dass wir Ausweichflächen anmieten mussten. Damit wir auch in Zukunft den hohen Service, insbesondere den 24-Stunden-Lieferservice beibehalten können, mussten wir das Zentrallager vergrößern. Die Investition wird rund 11 Millionen Euro betragen; das Lager ist als Mietobjekt konzipiert. Im Herbst 2002 soll die Erweiterung abgeschlossen sein.

In den kommenden Jahren wird Topdeq neben dem Angebot neuer Designprodukte das bereits hohe Serviceniveau kontinuierlich ausbauen, um sich insbesondere in Deutschland von den Wettbewerbern weiter abzusetzen. Zu einem solch hohen Serviceniveau gehört auch unsere kundenfreundliche Website, die wir 2001 weiter verbesserten. Der neue Internetauftritt bietet mit dem interaktiven Angebot "Find-Look-Buy-Mix" wesentliche Kauferleichterungen. Kunden können sich dank dieser Funktion zu jedem Artikel weitere passende Produkte und Kombinationsmöglichkeiten zeigen lassen und bestellen.

Des Weiteren werden wir durch die Ausweitung unserer Lieferserviceleistungen "A Guaranteed Delivery Date" und erweiterte Ansprechzeiten den Kundenbedürfnissen noch besser entsprechen, und dies, das möchte ich betonen, ohne nennenswerten Mehraufwand.

Zurück zum Internetangebot von Topdeq: 2001 wurde die Topdeq-Website zum dritten Mal prämiert. Bei den New Yorker Festivals, den wichtigsten internationalen Kommunikationswettbewerben, gewann sie in der Kategorie "E-Commerce" Bronze und in der Kategorie "Product Advertising" die Goldmedaille. Insgesamt nahmen 6.400 Arbeiten aus 64 Ländern teil.

Highlights 2001 - K + K America

Nun zu unserem dritten Geschäftsbereich: K + K America. Hubert, der im Geschäftsjahr 2000 akquirierte Versandhandelsspezialist für Bedarfsartikel und Ausrüstungsgegenstände für den Lebensmitteleinzelhandel sowie für den Gastro- und Hotelmarkt, konnte erfolgreich in die Gruppe integriert werden. Das Unternehmen erzielte im Berichtsjahr, wie zuvor schon angesprochen, gute Ergebnisse und konnte sich somit vom US-amerikanischen Abwärtstrend abkoppeln.

Die übrigen K + K America-Gesellschaften waren unterschiedlich stark von dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld betroffen. Während auch Conney und Avenue sich weitestgehend vom Negativ-Trend lösen konnten, war C&H am stärksten betroffen. Von daher überrascht es nicht, dass auch der neue Büromöbelkatalog in den USA nicht ganz unsere Erwartungen erfüllte.

Langfristig und nachhaltig wollen wir die Position von K + K America auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent festigen. Unsere Tochtergesellschaft Hubert verschickte erstmals ihre Kataloge nach Kanada. Die Reaktionen waren ausgesprochen erfreulich. C&H Distributors wird ihre Kontakte nach Mexiko intensivieren. Bereits im Jahre 2000 verschickte sie dorthin erste Kataloge. Die Zuwachsraten sind gut. Mexiko ist für uns ein Markt mit Zukunft.
Wenden wir uns nach diesem Überblick über die Geschäftsbereiche wieder dem gesamten Konzern zu.

Gestärkte Eigenkapitalquote und stabile Dividende

Eingangs erwähnte ich bereits, dass wir unsere Eigenkapitalquote stärken konnten. Sie stieg um 3,1 Prozentpunkte auf 25,6 (22,5) Prozent. Sie sehen, unser Konzern verfügt - Dank des hohen Cashflows - über eine solide Eigenkapitalbasis. Dem weiteren Wachstum steht damit nichts im Wege.

Trotz des schwierigen Geschäftsjahrs beabsichtigen wir für 2001, wie im Vorjahr, eine Dividende von 10 Cent pro Aktie auszuschütten. Wir zeigen auch hier Kontinuität.

TAKKT-Aktie - Konjunkturschwäche spiegelt sich wider

Das raue Börsenklima beeinflusste auch unseren Aktienkurs. Zum Bilanzstichtag notierte unsere Aktie bei 5,85 Euro. Der Eröffnungskurs 2001 betrug noch 9,50 Euro. Ein wesentlicher Faktor für die Zurückhaltung der Investoren war sicherlich unser US-Engagement. Verstärkt durch die Ereignisse des 11. Septembers mieden Investoren amerikanische Werte bzw. Unternehmen, die in den USA Geschäfte von nennenswertem Umfang tätigen. Obwohl die wirtschaftlichen Auswirkungen des Terroranschlags die TAKKT-Gruppe nur begrenzt tangierten, zeigten sich so manche beunruhigt.

Diese Verunsicherung legt sich allmählich. Und wie die Unternehmenszahlen zeigen, die Ihnen Herr Dr. Zimmermann gleich genauer vorstellt, zu Recht: Das Unternehmen bleibt schließlich ertragsstark, verfügt über einen starken Cashflow und weist selbst unter schwierigen Konjunkturbedingungen eine stabile EBITDA-Marge auf.

Wir sind davon überzeugt, dass sich TAKKT als profitabler Wachstumswert auf dem Kapitalmarkt durchsetzen wird. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 450 Millionen Euro und knapp 73 Millionen Aktien sind und bleiben wir ein Schwergewicht im SDAX.

Ausblick 2002

Ich komme nun zum Schluss meiner Ausführungen: Wie wird bei TAKKT das Jahr 2002 aussehen?
Die Konjunkturforscher erwarten für das zweite Halbjahr 2002 ein Anziehen der Konjunktur. Tatsächlich deuten immer mehr Indikatoren in den USA darauf hin, dass sich die Wirtschaft erholt. Auch wir spüren dies seit einigen Wochen. Ich bin mir sicher, dass wir im zweiten Halbjahr wieder positive Zuwachsraten haben werden. Ob dies jedoch für das Gesamtjahr 2002 zu einem deutlichen Wachstum führen wird, hängt nun noch von der Intensität der Konjunkturerholung ab.

Für Europa sehen wir dies etwas anders: Wir erwarten hier eine spätere Erholung der wirtschaftlichen Lage, speziell gilt dies für Deutschland. Die ersten zwei Quartale werden demzufolge noch nicht befriedigend ausfallen. Durch unsere Neugründungen erhoffen wir uns jedoch insgesamt ein positives Wachstum für das Jahr 2002. Unser nochmals verbessertes Produktangebot und die erweiterten Serviceleistungen werden dazu ebenfalls beitragen. Neugründungen und Akquisitionen schließen wir nicht aus: Wenn sie aus strategischer Sicht Sinn machen, werden wir sie realisieren.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Herr Dr. Zimmermann wird Ihnen nun den Erfolg unseres Unternehmens detailliert erläutern.


Ansprechpartner:

Georg Gayer
Tel.: (49) 711 / 5001-239

Dr. Felix A. Zimmermann
Tel.:(49) 711 / 5001-861