Rede von Dr. Felix A. Zimmermann

Finanzvorstand der TAKKT AG

Rede anläßlich der Bilanzpressekonferenz der TAKKT AG am 14. April 2000 in Stuttgart

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine Damen und Herren,

vorab der entscheidende Satz:

Es war für die TAKKT AG ein sehr gutes Geschäftsjahr.

Geringere Steuerquote als Abspaltungsfolge

Trotz der Belastungen im Zuge der Abspaltung und des Börsenganges ist uns eine Ergebnisverbesserung nach Steuern von plus 8,1 Prozent gelungen. Die Ursache liegt in der von 49 auf 37 Prozent gesunkenen Steuerquote.

Das ist unter anderem eine Folge der Abspaltung.

Dazu ein paar Takte:

Die Abspaltung der Geschäftssparte Versandhandel von der GEHE AG auf die TAKKT AG hatte natürlich Auswirkungen auf unsere Bilanzstruktur. So wurden im Rahmen der erforderlichen konzerninternen Übertragungsvorgänge bei ausländischen Tochtergesellschaften stille Reserven aufgedeckt. Diese stillen Reserven wurden zum Zeitpunkt der Abspaltung mit dem übertragenen Eigenkapital verrechnet, um die bisherigen Wertansätze der Vermögensgegenstände und Schulden fortführen zu können. Das ist die Sicht auf die ausländischen Tochtergesellschaften.

Bei den inländischen Gesellschaften wurde dagegen der laufende Geschäftsbetrieb veräußert. Hierbei kam es zu einer steuerlich bedingten Aufdeckung stiller Reserven in den jeweiligen Einzelabschlüssen. Der daraus um 109,5 Millionen auf 168 Millionen Euro erhöhte Geschäftswert wird über 15 Jahre erfolgswirksam abgeschrieben. Hierdurch verringert sich das steuerpflichtige inländische Ergebnis und damit die Steuerlast der TAKKT AG. Die abspaltungsbedingten Abschreibungen waren damit der maßgebliche Grund dafür, dass die TAKKT AG ihre Steuerquote auf 37 Prozent senken konnte.

Pro-forma-Abschluss

Um Ihnen, den Investoren und den Analysten einen besseren Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns zu vermitteln, hat die TAKKT-Gruppe freiwillig eine Pro-forma-Konzernbilanz zum 31. Dezember 1998 sowie Pro-forma-Konzern-Gewinn- und Verlustrechnungen für die Zeiträume 1. Januar bis 31. Dezember 1998 sowie 1. Januar bis 31.Dezember 1999 erstellt.

Auf dieser Basis lässt sich Folgendes erkennen:

Trotz des schwächeren Konjunkturklimas in einigen Ländern Europas und speziell in Deutschland setzte die TAKKT-Gruppe - kraft ihres ausgefeilten Produktportfolios, ihrer ausgewogenen Kundenstruktur und ihrer internationalen Ausrichtung - im Berichtsjahr ihren Wachstumskurs ungebremst fort. Der Gruppenumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16,4 Prozent auf 627,6 Millionen Euro. Für den hohen Zuwachs war nicht nur ein starkes externes, sondern auch ein ausgeprägtes organisches Wachstum verantwortlich. Deutlich wird das, wenn wir den Gruppenumsatz ohne Akquisitionen betrachten. Dieser stieg um 7,8 Prozent auf 556,5 Millionen Euro.

Vier-Jahres-Vergleich Umsatz

Vergleichen wir den Erlös 1999 mit den Erlösen der letzten Jahre, so sehen Sie deutlich:

Der starke Zuwachs hat Kontinuität. 1996 lag der Umsatz bei 394,1 Millionen Euro ( plus 2,9 Prozent). 1997 waren es bereits 469,5 Millionen Euro (plus 19,1 Prozent) und 1998 539,2 Millionen Euro (plus 14,8 Prozent).

Regionale Verteilung

Fast zu gleichen Stücken verteilen sich die Erlöse

  • auf Deutschland (32,0 Prozent),
  • auf das übrige Europa (31,7 Prozent)
  • und Nordamerika (36,3 Prozent).

Umsatzverteilung auf Tochtergesellschaften

Auf die einzelnen Geschäftsbereiche verteilt sich der Umsatz wie folgt:

  • KAISER + KRAFT EUROPA: 52,0 Prozent
  • Topdeq: 11,7 Prozent
  • K + K America: 36,3 Prozent

Ergebnis

Die Umsatzdynamik der Gruppe schlug sich in einem sehr guten Ergebnis nieder. Das EBITDA stieg um 8,3 Prozent auf 70,5 Millionen Euro. Ohne die außerordentlichen Aufwendungen - für den Börsengang - hätte das EBITDA bei 72,5 Millionen Euro gelegen, was einer Steigerung um 11,4 Prozent gleich gekommen wäre.

Vier-Jahres-Vergleich des EBITDA

Gute Ergebnisse haben bei uns Tradition: Über die letzten vier Jahre konnten wir das EBITDA kontinuierlich - gleich dem Umsatz - verbessern.

1996: 44,3 Millionen Euro (Quote: 11,2 Prozent)
1997: 52,0 Millionen Euro (Quote: 11,1 Prozent)
1998: 65,1 Millionen Euro (Quote: 12,1 Prozent)
1999: 72,5 Millionen Euro (Quote: 11,6 Prozent, vor außerordentlichem Aufwand)

Ergebnisbelastungen

Die Abspaltung berührte nicht die operative Ertragskraft der Gesellschaft. Belastet ist das Ergebnis aber erstmalig im zweiten Halbjahr - oder auch Rumpfgeschäftsjahr - mit Abschreibungen in Höhe von 4,3 Millionen Euro auf aufgedeckte stille Reserven. Obwohl diese jedoch nicht liquiditätswirksam sind, hatten sie einen Einfluss auf das EBIT.

Vier-Jahres-Vergleich des EBIT

Das EBIT entwickelte sich demnach wie folgt:

1996: 39,5 Millionen Euro (Quote: 10,0 Prozent)
1997: 46,2 Millionen Euro (Quote: 9,8 Prozent)
1998: 58,8 Millionen Euro (Quote: 10,9 Prozent)
1999: 58,5 Millionen Euro (Quote: 9,3 Prozent, vor außerordentlichem Aufwand)

Auf Grund des aus der Abspaltung resultierenden erhöhten Finanzierungsvolumens sind im 2. Halbjahr 1999 Zinsaufwendungen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro angefallen. Dies hatte wiederum einen Einfluss auf den Jahresüberschuss vor Steuern.

Vier-Jahres-Vergleich des Jahresüberschusses vor Steuern

Der Jahresüberschuss vor Steuern und außerordentlichem Ergebnis lag zum Ende des Jahres abspaltungsbedingt bei 52,5 Millionen Euro (minus 9,0 Prozent).

1996: 38,9 Millionen Euro (Quote: 9,9 Prozent)
1997: 45,5 Millionen Euro (Quote: 9,7 Prozent)
1998: 57,8 Millionen Euro (Quote: 10,7 Prozent)
1999: 52,5 Millionen Euro (Quote: 8,4 Prozent, vor außerordentlichem Aufwand)

Vier-Jahres-Vergleich des Jahresüberschusses nach Steuern

Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg auf Grund der bereits erläuterten geringeren Steuerquote im Vergleich zum Vorjahr von 29,5 Millionen Euro auf 31,9 Millionen Euro (plus 8,1 Prozent). Die Earnings per share beliefen sich auf 44 Cent.

1996: 20,7 Millionen Euro (Quote: 5,3 Prozent)
1997: 25,1 Millionen Euro (Quote: 5,3 Prozent)
1998: 29,5 Millionen Euro (Quote: 5,5 Prozent)
1999: 31,9 Millionen Euro (Quote: 5,1 Prozent)

Schauen wir uns die einzelnen Segmente an:
Die TAKKT AG führte in diesem Jahr erstmalig freiwillig eine Segmentberichterstattung durch. Danach stellen sich die einzelnen Gesellschaften wie folgt dar:

KAISER + KRAFT EUROPA

Den größten Umsatz erwirtschaftete mit 326,5 Millionen Euro (plus 4,3 Prozent) wie in den Jahren zuvor KAISER + KRAFT EUROPA [bestehend aus den Gruppen KAISER + KRAFT, Gaerner und Gerdmans]. Ohne die Akquisition von Gerdmans lag der Umsatz bei 302,4 Millionen Euro (plus 1,6 Prozent). Das EBITDA betrug 1999 43,6 Millionen Euro, was eine Steigerung um 8,2 Prozent bedeutet.

Die Entwicklung dieses Geschäftsbereiches präsentierte sich uneinheitlich: So gab es in Frankreich, der Schweiz, in Spanien und in Ungarn überdurchschnittliche Zuwächse. Dagegen mussten in Polen, Tschechien und Großbritannien leichte, konjunkturbedingte Rückgänge hingenommen werden. Das neue Engagement in Portugal - wo wir seit Mitte 1999 mit einem portugiesischen Katalog vertreten sind - zeigte bereits erste Erfolge.

Topdeq

Topdeq entwickelte sich sehr gut. Im Berichtsjahr setzte das Unternehmen mit 73,1 Millionen Euro 16,0 Prozent mehr um als im Vergleichsjahr 1998: ein beachtliches Ergebnis, bei dem wir eine konjunkturbedingte Beeinflussung nicht feststellen konnten. Auch das EBITDA wuchs um zwölf Prozent auf 9,3 Millionen Euro und liegt damit deutlich über dem Vergleichsjahr.

K + K America

Getragen von einer boomenden US-Wirtschaft wuchs K + K America [bestehend aus den Gesellschaften C&H Distributors, Avenue Industrial Supply und Conney Safety Products (erstmals vollkonsolidiert)], überproportional stark.

Lag der Umsatz 1998 noch bei 163,2 Millionen Euro, betrug er im Berichtsjahr 228,0 Millionen Euro: ein Zuwachs von 39,7 Prozent. Nach Bereinigung der Wechselkurseffekte lag der Umsatz der Gesellschaften auf Dollarbasis 27,3 Prozent über dem Vorjahr. Ohne die Unternehmensakquisition verbesserte sich K + K America um 16,2 Prozent auf 181,0 Millionen Euro. Dieser Trend setzte sich auch beim EBITDA fort: Die Kennzahl betrug im Berichtsjahr 23,2 Millionen Euro, was eine Steigerung um 40,5 Prozent bedeutet.

Bilanzstruktur

Insgesamt erhöhte sich die Bilanzsumme von 235,7 Millionen Euro auf 370,9 Millionen Euro. Dahinter steht ein Anlagevermögen von 237,3 (Vorjahr: 123,9) Millionen Euro. Das Umlaufvermögen beträgt 130,4 (Vorjahr: 110,0) Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten erhöhten sich von 107,0 Millionen Euro auf 242,2 Millionen Euro.

Unter Berücksichtigung der gehobenen stillen Reserven und der Eigenkapitalausstattung der TAKKT AG ist das Finanzierungsvolumen auf 220 Millionen Euro angestiegen. Mit einer Eigenkapitalquote von über 25 Prozent verfügt TAKKT damit auch nach der Abspaltung über eine solide Finanzierungsstruktur.

Cash-flow

Die Gesellschaft ist traditionell ertragsstark. Im Berichtsjahr betrug der Cash-flow nach Steuern und Abschreibungen 45,8 Millionen Euro; das sind 27,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Cash-flow per Share belief sich 1999 auf 63 Cent pro Aktie.

Investitionen

Ein Blick auf die Investitionen zeigt: Im Berichtsjahr hat die TAKKT AG 121,1 Millionen Euro investiert. Davon entfielen abspaltungsbedingt 117,0 Millionen Euro auf inländische Geschäftswerte und Sachanlagen. Die ersatz- und kapazitätserweiternden Investitionen betrugen 4,1 Millionen Euro. Schwerpunkte dieser Investitionen lagen im Bereich Informationstechnologie. Darüber hinaus wurde in die Modernisierung der Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiter investiert.

Mitarbeiter

Aufgrund des gestiegenen Geschäftsvolumens schaffte die TAKKT-Gruppe im Berichtsjahr neue Arbeitsplätze. Insgesamt waren 12,6 Prozent mehr Mitarbeiter tätig. Die Gruppe beschäftigte damit 1999 im Durchschnitt (Vollzeitbasis) 1.497 Mitarbeiter gegenüber 1.330 im Vergleichsjahr 1998.

KAISER + KRAFT EUROPA schaffte zusätzliche Arbeitsplätze insbesondere im Bereich E-Commerce. Im Mittel steigerte KAISER + KRAFT EUROPA die Zahl der Mitarbeiter um 1,1 Prozent auf 801. Topdeq sowie K + K America nutzten ihre sich sehr gut entwickelnden Geschäftsaktivitäten, um ebenfalls neue Arbeitsplätze zu schaffen. Sie erhöhten jeweils ihre Belegschaft um 12,7 Prozent auf 169 bzw. um 32,7 Prozent auf 515 Vollzeitkräfte. Die Management-Holding TAKKT AG selbst beschäftigte 24 Mitarbeiter zum Stichtag 31.12.1999.

Ausblick

Meine Damen, meine Herren,

Sie sehen, für die TAKKT AG war 1999 ein sehr gutes Geschäftsjahr. Wir sind stolz darauf, dass uns dieser Erfolg gelang, obwohl Abspaltung und Börsengang große Herausforderungen waren, denen wir uns gerne gestellt haben.

Die TAKKT AG wird auch in Zukunft dynamisch wachsen. Die Zahlen des ersten Quartals 2000, die Ihnen Herr Gayer präsentierte, belegen dies.

Wir wollen, dass die Marktdurchdringung der Gruppe weltweit spürbar zunimmt. Gezielte Akquisitionen, sowohl in den Kernmärkten als auch in noch nicht aktiv betreuten Ländern, spielen bei diesen Überlegungen genau so eine wichtige Rolle wie organisches Wachstum.

Investitionen in E-Commerce, man kann es nicht oft genug sagen, gewinnen in diesem Zusammenhang hohe strategische Bedeutung und werden deshalb von uns systematisch vorangetrieben.
Für uns ist E-Commerce der nächste logische Schritt in unserer Geschäftsentwicklung. Für diese Herausforderungen der Zukunft sind wir bestens gerüstet.


Ansprechpartner:

Georg Gayer
Tel.: (49) 711 / 5001-239

Dr. Felix A. Zimmermann
Tel.:(49) 711 / 5001-861